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White Fence – For The Recently Found Innocent

Zwei Jahre ist es her, dass Tim Presley aka White Fence das Album „Hair“ mit Ty Segall veröffentlichte. Zwei Jahre, in denen Segall mehr und mehr zum Wunderkind des kalifornischen Garage Rocks aufstieg. Mit „For The Recently Found Innocent“ bekommt der Gute nun Konkurrenz aus den eigenen Reihen.

Dass Presley oft nur als einer von vielen, vielen, vielen Musikern genannt wird, die mit Segall gemeinsame Sache gemacht haben, dürfte ihm dabei sogar recht egal sein. Fünf reguläre Studioalben hat er als White Fence bereits aufgenommen, von seinem vorherigen Output mit Darker My Love oder als Gitarrist bei The Fall mal abgesehen. Dass das psychedelische „Hair“ auch gleichermaßen sein – und nicht nur des erstgenannten Segalls – Album war, wird auf seinem sechsten Werk mehr als deutlich.

Da ist es nur angemessen, dass er die Songs nicht wie sonst in seinem eigenen Schlafzimmer eingespielt hat, sondern tatsächlich in Segalls Garagenstudio in Los Angeles, mit richtigem Equipment und einer sauberen Produktionsweise. Seinem 70er-Jahre-angehauchten Sound sollte es offenbar nur den nötigen Feinschliff geben: Der mit etwas über fünf Minuten längste Song „Wolf Gets Red Faced“ entführt in eine scheinbar ewig vergangene Zeit und das astreine Gitarrensolo in der zweiten Hälfte verstärkt den Trip nur noch mehr.

Das Eröffnungsstück „The Recently Found“ funktioniert hingegen nur als Intro, was nicht nur an der kurzen Spielzeit liegt, sondern vor allem an seiner eher beiläufigen Erzählstruktur. Mit „Anger! Who Keeps You Under?“ startet Presley dann wirklich durch, nutzt negative Energien und wandelt sie in Intensität um, während sich sein bisheriger Live-Drummer Nick Murray von der Bühne direkt ins Herz trommelt. Spätestens hier wird klar, dass auf „For The Recently Found Innocent“ tatsächlich so einiges anders ist.

Das ist bisweilen auch der Wandlungsfähigkeit geschuldet, die Presley hier an den Tag legt. Vom entspannten Folk der Marke Donovan in „Sandra (When The Earth Dies)“ mitsamt Orgeluntermalung, über den verträumt-halluzinogenen Ausflug auf eine knallbunte Blumenwiese mit „Fear“ ist es nicht weit zum beatlesesken „Arrow Man“, auf dem Presley sich sogar an so etwas wie einem falschen britischen Akzent zu versuchen scheint. Ob es das gebraucht hätte, sei mal dahingestellt; dass es dem West-Coast-Charme des Albums nicht schadet, ist jedoch erfreulich.

Tatsächlich verstärkt es nur den Eindruck, dass Presley nach Jahren des Experimentierens und Suchens nun womöglich seine Nische gefunden hat, in der er sich wohl fühlt und zu neuem Selbstbewusstsein gelangt. Mit der country-poppigen Lagerfeuerromantik von „Afraid Of What It’s Worth“ leitet er langsam das Ende ein, das in „Raven On White Cadillac“ seinen Höhepunkt erfährt (und mit Mikal Cronin am Piano einen weiteren Kumpel aus Segalls Freundeskreis präsentiert) und mit dem völlig verstrahlten „Paranoid Bait“ einen würdigen Abschluss findet. Es bleibt dabei: Die Vergangenheit liegt hinter Presley – und wenn „For The Recently Found Innocent“ die Gegenwart ist, können wir die Zukunft kaum noch erwarten.

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