![]()
Bringt man die ersten fünf Songs auf „New Eyes“ in die Reihenfolge, in der sie chronologisch als Singles erschienen, deutet sich schon an, warum Clean Bandits Debütalbum arg die Geduld strapaziert. Wie schon viele Veteranen und Neulinge dieses Jahr durchbrach das Quartett die porös gewordene Linie zwischen britischem Dancepop-Untergrund und Singles-Charts, doch mit dem bumsfidelen „Rather Be“ war seine ultranette Putzfimmelproduktion bereits an dem Gefahrenpunkt, ab dem sie wie ein verklemmtes „Sunchyme” daherkam. Die charmante Black-Butter-Debütsingle „A+E“ wird in der Albumfassung mit angetackertem Geigenintro in die Ödnis überdehnt, überhaupt tragen Clean Bandit zu oft zu pathetisch mit Plinkern und Fiedeln auf, ohne unerwartete Kontraste wie den Sprechgesang in „Mozart’s House“ zu setzen. Im Ansatz sind die atomisiert-resequenzierten Instrumente in „Extraordinary“ noch interessant, gehen aber als Träger eines hippiekäsigen Refrains außerordentlich auf die Nerven, bevor sich Clean Bandit mit dem lausigen „Telephone Banking” unabsichtlich selbst parodieren. Dass Breakbeat-, 2-Step- und Dancehall-Ausflüge in diesem Musikkontext durchaus funktionieren können, haben bereits Rudimental oder Katy B demonstriert, doch auf „New Eyes“ vermögen sie über all dem Zehenspitzentippeln nicht mehr Fuß zu fassen – Melodien mit Haftung sind hier Mangelware.