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Fear Of Men – Loom

Einige Menschen reagieren ängstlich auf Dinge, Tiere oder Ähnliches, bei einigen anderen wächst daraus sogar eine Phobie. Mal kann sie kleinere, aber auch größere Ausmaße annehmen. Ein ungewohntes Beispiel für eine Phobie ist die Angst vor Männern, die sogenannte Androphobie, welche sich die Band Fear Of Men zu Eigen gemacht hat. Der Name kam laut Sängerin und Gitarristin Jessica Weiss eher zufällig, während sie Songs über psychische Störungen schrieb – ein ungewöhnliches Thema, das aber auch in ihrem Debütalbum „Loom“ Platz findet. Gegründet in Brighton an einer hiesigen Kunsthochschule, zaubert das Quartett um Weiss auf seinem Debüt einen dreamigen, aber dunklen Pop. Das Album wird dabei aber immer vom Zusammenspiel düsterer, lyrisch ummalter Gefühle mit hellsten, süßen Melodien durchzogen und erreicht über diese Gegensätze seine Grundstimmung .

Gespickt wird diese melancholisch anmutende Musik vom Gitarristen Daniel Falvey, der das Album mit einem fast schon klassischen Indiegitarrenspiel und –sound der 80er würzt. Während diese Leichtigkeit dem Zuhörer eine Ruhe und Besonnenheit weismachen möchte, wird man aber schnell durch die zarte und etwas schludrige Stimme von Weiss auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ihre Texte sind harscher und dramatischer, als es die musikalische Klangfarbe eigentlich konstatiert. Eine trügerische Dunkelheit liegt unter ihrer Oberfläche, die erst beim genaueren Hinhören Themen von Einsamkeit, physischen Problemen oder Sterblichkeit offenbart. Dabei entwirft die Band ein Szenario, das einen mit in jedem Song beinhalteter Meeresmetaphorik verwundert am Strand zurücklässt.

Das Album beginnt mit einem kleinen Intro namens „Alta“, in dem Weiss‘ gefühlvolle Stimme nur von einem orgelartigen Hintergrund und einer synthetischen Flöte begleitet wird. Nahtlos mündet dieser in den darauffolgenden Track „Waterfall“, der mit leichtem Gitarrenspiel, etwas Drums und einem Synthieklangteppich eine Nummer zackiger ist, dazu singt die leichte Stimme von Weiss – fast schon beschwörend – mantraartig „I’m not alone in this“. Überzeugend wirkt sie dabei aber nicht. Von Repetitionen, die ihre Songs ausschmücken, kann die Sängerin aber auf dem Album nicht genug bekommen, was auf Dauer leider langweilig und anspruchslos wirkt, schnell verliert sich der Zuhörer im Wind. Melancholisch bleiben ihre Songs dabei aber immer, man hört harte Worte wie „You will never leave me/ As long as I untie you with my bones/ Trust in me completely/ Show me there’s no world outside our own“ und kräuselt perplex die Stirn.

Das Element Wasser scheint hierbei immer ein zentrales und wichtiges Bild für die Band zu sein. Einerseits bedeutet es Leben und Frische und vielleicht auch Schwerelosigkeit, andererseits kann es aber auch gefährlich und bedrohlich sein. Passend beschreibt Weiss in „Vitrine“ etwas, das das Meer sein kann, aber genauso eine physische Erkrankung: „Something’s wrong/ Shadows are swallowing me/ … / But it’s happening underneath/ Perfect still in the surface”. Das Quartett weiß diesen schmalen Grat zwischen Kunst/Metaphorik und Philosophie schön zu nutzen, die gezeichneten Bilder sind beim Hörer stets präsent. Musikalisch ist „Vitrine“ wie die meisten von viel Atmosphäre durchzogen: Vocals im Hintergrund, viel Hall und ausgewählte Instrumente, in diesem Fall eine Flöte, geben dem Song ein leichtes Gefühl. Etwas flotter folgt „Tephra“, das durch den marschierenden Beat mehr treibt und auch etwas mehr Pepp hat. Allerdings scheint es ein stilbildendes Element des Albums zu sein, Weiss‘ Stimme mit viel Hall zu versetzen, sie aber durch Begleitvocals etwas zu unterdrücken. Leider hat das bei der Hälfte der Songs keinen Effekt, da der Fokus auf den reinen Gesang untergeht.

Einige Songs haben wirklich gutes Potenzial, „Luna“ oder „Atla“ zum Beispiel, die einen auf welligen Wogen vorantreiben. Andere, wie „America“ oder „Descent“, werden dem Rest des Albums nicht ebenso gerecht und tröpfeln bloß vor sich hin. In „America“ wird zwar der Eskapismus textlich schön umgesetzt („Drifting out of reach/ America carry her away“), doch musikalisch kommt der Song durch viele Wiederholungen eher langweilig daher, da diese mit der Zeit ins Nichts führen. Schade, denn das Album zeigt an vielen Stellen, dass das Quartett Potenzial hat. Zu einem tollen, rundum gelungenen Debüt reicht es dennoch nicht.
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