ThouHeathen

Auch ein Genre wie Metal hat seine Web-2.0-Bands und Thou sind mit Sicherheit eine von ihnen. Beinahe sämtliches Audiomaterial, das die Band je veröffentlicht hat, ist für Lutsche auf ihrer eigenen Webseite beziehungsweise zum frei wählbaren Preis auf ihrem Bandcamp verfügbar. Sie pflegen engsten Fankontakt, der so weit geht, nach Auftrittsorten und Wünschen zu fragen, solange denn der Veranstaltungsort (ohne Altersbeschränkung) und die Soundanlage stimmen. Das Resultat davon sind beinahe vierhundert Konzerte, dokumentiert in massig (Fan-)Foto- und Videomaterial und vielem mehr. Ist es da noch verwunderlich, dass Thou tiefverwurzelt sind im DIY-Untergrund und sich zudem auch politisch äußern, zum Beispiel in T-Shirt-Motiven oder Aufnähern?

Musikalisch wird in Verbindung mit Thou sehr schnell die Schublade Sludge gezogen. Sicher, ihre Wurzeln sitzen tief in dieser Spielart des Metal, die sich im Süden der USA entwickelt hat. Aber Thou haben auch, wie zum Beispiel Windhand, ihren Folk verinnerlicht. Auch verbindet sie mit Windhand eine tiefe Liebe zu Doom, nur wo Windhand in Richtung des Psychedelischen driften, bevorzugen Thou Drone und Noise. Das stellt „Heathen“, das neueste Album der Band aus Baton Rouge, die inzwischen auch über die Westküste der USA verstreut wohnt, grandios unter Beweis.

Die Gitarren von Matthew Thudium und Andy Gibbs lösen oft eine Wehmut aus, die so nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre und in der auch unterschwellig eine undechiffrierbare Nostalgie eingewoben ist. Der Bass von Mitch Wells ist mitunter so weit runtergestimmt, dass die Seiten beim Anschlagen gerade noch einen Ton erzeugen und nicht nur schlapp am Griffbrett baumeln, dabei schnarrt und gluggert er wie ein fetter, alter V8. Joshua Nee hämmert stoisch den verschleppten Galeerenbeat und Sänger Bryan Funck klingt, neben einem nicht zu unterschätzenden Anteil von Classic-Metal in seinen Vocals, als würde er sein Frühstück gern mit zerbrochenen Rasierklingen genießen. Agonie und aufgestauter Frust sind der Treibstoff, der Thou animiert: Die Welt ist ein beschissener Ort, bewegt von falschem, krankem Glauben und Ideologien. Zudem ist der Mensch, der eigentlich zu Besserem fähig sein sollte, unfähig und reitet sich nur immer tiefer in den Morast.

Was „Heathen“ zu einem herausragenden Album macht, ist die Diversität, welche die Band im eigentlich engen Genrekorsett entwickelt. Das Tempo bleibt quasi über die siebzig Minuten (abgesehen von den Akustik- oder Dronepassagen) gleich, aber Thou wissen auch die ganz großen Momente parat zu halten.

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