
Schon auf seinem Erstling „Time’s All Gone“ wusste Nick Waterhouses Verständnis rhythmusgetriebener Altertümlichkeiten zu überzeugen, auf „Holly“ wird das Gaspedal noch einmal kräftiger durchgetreten. Mit Verve, unbedingtem Authentizitätswillen und viel Muße, den Zeitgeist der 50er- und 60er-Jahre einzufangen, erzählt der Sänger mit der alten Stimme von der guten alten Zeit.
Ob Halbballade mit lässigem Dreamgirls-Background wie bei „Let It Come Down“ oder ausgefeilter Perkussion bei „Sleeping Pills“, Waterhouse setzt unterschiedlichste Akzente, um das Gefühl für Stil und Rhythmus mindestens fünfzig Jahre in die Vergangenheit reisen zu lassen. Kleine Kabinettstückchen wie das titelgebende „Holly“ werden durch Mariachi-Bläsersätze oder gefällige Orgelarrangements bereichert. Auch der Hang zum swingenden Solo wird konsequent ausgelebt. So darf in „Dead Room“ ein kratzbürstiges Saxophon nach Aufmerksamkeit drängen, während es sich zu Beginn noch in schlichter Eleganz im Hintergrund gehalten hat.
Es ist kaum verwunderlich, dass „Holly“ in jeder Sekunde klingt, als hätten sich die Songs auch in den Ballrooms und Prom Nights längst vergangener Dekaden gut gemacht. So kann zu den meisten Stücken auch heutzutage gern das Tanzbein geschwungen werden, bieten sich die zehn Stücke doch geradezu aufreizend für Rock’n’Roll, Jive und Artverwandtes an.
Immer wieder scheint Nick Waterhouse geradezu überschwänglich begeistert von seiner Musik zu sein – wie sonst lässt sich die Spielfreude erklären, die jedem Song anzumerken ist? Während die ruhigen Stücke, wie das elegant vor sich hin swingende „Hands On The Clock“, dabei eher den distinguierten Pianisten mit Schalk im Nacken zum Vorschein holen, bringen gerade die beiden eröffnenden Stücke „High Tiding“ mit seinem Western-Schmiss und vor allem das grandiose, saxophonbasierte „This Is A Game“ eine Leichtigkeit und Selbstzufriedenheit allererster Güte auf den Punkt.
„Holly“ befriedigt die doch nun seit geraumer Zeit so angesagte „Retrowelle“ mit Echtheit, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Dafür aber mit jeder Menge Vergnügen und Spielwitz.