
Ein bisschen Ordnung kehrt ein bei La Dispute. Strotzte der Vorgänger „Wildlife“ noch so vor ungezügelter Wut, ist „Rooms Of The House“ eine präzise Beschreibung von Alltagssituationen. Mit nüchterner Klarheit erzählt Jordan Dreyer die Geschichte eines Ehepaares, dessen Hauses, das eigentlich für Zusammenhalt stehen sollte, und letztlich dessen Scheiterns. Ein direktes Urteil erlaubt er sich zu keiner Zeit. Doch das ist auch gar nicht nötig, so chirurgisch geht er zu Werke.
Über die Geschichte des Paares leitet Dreyer eine Bestandsaufnahme der Realität ab. Die Lähmung durch den Alltag, von jedem wohl irgendwann schon einmal erlebt, aber bei den meisten ohne die Fähigkeit, diese in Worte zu fassen, steht unumstößlich, wie in Stein gemeißelt im Mittelpunkt. Gleich drei Songs haben Jahreszeiten in Titel, was Dreyers eindringlichen Eingebungen, obwohl hier von fiktiven, sehr persönlichen Ereignissen berichtet wird, zusätzlichen Nachdruck verleiht. Sprachlosigkeit so wortreich beschrieben und Trostlosigkeit so schonungslos offenzulegen, wirkt in diesem Kontext viel schmerzhafter und nachhallender als ein unvermittelt aufkommender Wutausbruch.
Dementsprechend gehen La Dispute auch äußerst sparsam mit großen Melodien um. Diese werden einfach nicht benötigt, noch weniger als auf den ersten beiden Alben. Einzig „Stay Happy There“ und „SCENES FROM HIGHWAYS 1981-2009“ vermitteln noch das Bild aus den Anfangstagen der Band. Oftmals wartet man auf Bewegung, doch entweder bleibt sie ganz aus („HUDSONVILLE MI 1956“) oder wird nur knapp angerissen („Woman (Reading)“. Viel mehr konzentriert sich die Band darauf, die hoffnungslose Stimmung, die sofort mit dem Eröffnungsstück eingeführt wird, beizubehalten und das Eigenleben dabei nicht zu kurz kommen zu lassen. Es gelingt: Getragen vom einmaligen Erzählstil Dreyers sind Versiertheit und Ideenreichtum jederzeit greifbar. Auf der meistens schleppenden Vorlage findet die Band mehr als genug Möglichkeiten, Song für Song Akzente zu setzen und sich an Neuem zu erproben. Anlehnungen an den großen nordamerikanischen Indierock sind ebenso zu finden wie erste Gehversuche im Schreiben straighter Rocksongs. Es bleibt die Niedergeschlagenheit, die dieses Konzeptalbum wie eine Klammer zusammenhält. Es verzichtet, beispielsweise im Gegensatz zum anderen großen Trauer-Album aus diesem Jahr, auf sämtliche zuversichtliche Symbolik und stellt sich dem unausweichlichen Schicksal.
Beim erst dritten Studioalbum der Band sollte es wenig verwundern, dass immer noch am Stil gefeilt und der einstmals ungeschliffene Diamant langsam abgerundet wird. „Rooms Of The House“ jedoch geht darüber hinaus, die Radiohead-Gitarre in „Woman (In Mirror“) ist neben dem bewussten Verzicht auf Härte nur das auffälligste Signal unter vielen weiteren. La Dispute sind im Post-Post-Hardcore angekommen.