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St. Vincent – St. Vincent

Nicht einmal zwanzig Sekunden benötigt Annie Clark alias St. Vincent auf ihrem selbstbetitelten neuen Album, da möchte man als Hörer ihr auf die Frage „Am I the only one?“ ein langes, lautes, durch Mark und Bein gehendes, aus tiefstem Herzen kommendes Ja entgegenrufen.

Aber ob sie es durch die dicke Basswand auch hören würde? Schon der Eröffnungssong „Rattlesnake“ offenbart nämlich vor allem eines: „St. Vincent“, Clarks mittlerweile viertes Album, ist auch ihr bis dato tanzbarstes. Zwischen Sperrigkeit und Offenheit bewegen sich die elf Stücke, Synthies paaren sich mit kratzigen Stromgitarren, die Beats ackern sich dank des echten Schlagzeugs noch tiefer in den Kopf. Und vor all dem steht Clark selbst als die große Königin dieser Mischung aus Elektropop, New Wave und Art-Rock. „Am I the only one“, was für eine Frage.

„St. Vincent“ schreckt dabei auch nicht vor Experimenten zurück. Das im Vergleich zu den anderen Songs recht zurückhaltend startende „Huey Newton“ schlängelt sich serpentinenartig durch seine ersten zwei Minuten, bis Clark schließlich die Krallen ausfährt und den Glam-Rock für sich entdeckt. Die fantastische zweite Single „Digital Witness“ hingegen heißt beatlastig und mit ordentlich urbanem Funk die Blechbläser-Sektion aus der Zusammenarbeit mit David Byrne im Studio willkommen und macht ganz nebenbei den Standpunkt der Sängerin klar: „If I can’t show it, you can’t see it“ – wir sehen uns dann am Jahresende in den Bestenlisten wieder.

Seltsame sexuelle Gelüste zeigen sich im düster-poppigen „Bring Me Your Loves“: Der markante Gesang steht stellenweise vollkommen für sich alleine, um die Beziehung, in der die Partner sich offensichtlich nicht auf Augenhöhe betrachten, in aufflackerndem Scheinwerferlicht zu baden. „I thought you were like a dog/ But you made a pet of me“, singt Clark, während die Ambivalenz zwischen dem fetten Grinsen in ihrem Gesicht und dem blutenden Herzen kaum zu ertragen ist – im bestmöglichen Sinne.

„Birth In Reverse“, dessen Titel sich auf eine Geschichte von Lorrie Moore bezieht und nach Aussage der Autorin eine „tödliche mütterliche Metapher“ darstellt, beschäftigt sich nebenher mit den nur allzu menschlichen Handlungen, selbst wenn sie vorm Masturbieren erst noch den Müll rausbringt – Ordnung muss schließlich sein. Dem entgegen stellt sich das balladeske Wiegenlied „I Prefer Your Love“, das Clark für ihre Mutter singt und zeigt, was für eine herausragende Sängerin sie sein kann, ohne vielleicht die beste Stimme der Welt zu haben. Auf „St. Vincent“ ist eben alles ein Gegensatz, das Album selbst ein um sich wütendes Monster, das gezähmt werden will und dem zuzuhören sich lohnt – zumindest für all jene, die sich trauen.

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