
Zur obligatorischen Deafheaven-Referenz gleich am Anfang: Es wäre falsch, Woods Of Desolation als Epigonen des im Zuge von „Sunbather“ auch im (Indie-)Mainstream angelangten Hypes um „Blackgaze“ einzuordnen. Richtig hingegen ist, dass bereits das 2011er Album „Torn Beyond Reason“ diese Spielart nahe der Perfektion exerzierte und dem traditionell frostigen Black Metal eine ungeahnt lodernde Wärme abtrotzte.
Dabei umschifft das Projekt um den Australier D. geschickt die obligatorischen Hipster-Fallen. Es gibt weder ein Manifest, noch Seitenscheitel oder rosafarbenes Artwork, die Gnade der Metal-Inquisition dürfte somit halbwegs gesichert sein. Die Musik zumindest kann auch auf „As The Stars“ wieder völlig für sich selbst stehen.
Was daran vor allem beeindruckt ist, wie D. und seine Sessionmusiker es schaffen, mit sieben knackigen Fünfminütern in einem Genre zu brillieren, das im Wesentlichen von seiner Atmosphäre und oftmals episch ausgewalzten Tracks lebt. Das Grundezept ist dabei so einfach wie effektiv. Flirrende Postrock-Gitarren schneiden sich mit feinem Melodiegespür durch ein Meer aus fast schon psychedelisch verschwimmenden Black-Metal-Riffs. Das Schlagzeug beschränkt sich nicht nur auf die üblichen berserkernden Blastbeats, sondern überzeugt durch Dynamik und dezent gesetzte Highlights. Schönklang und bestialische Urgewalt bilden hier einen unzertrennlicher Einigkeit.
Woods Of Desolation beherrschen das alte Postrockprinzip, das Pendeln zwischen Laut und Leise, ganz offensichtlich aus dem Effeff. Womit sie jedoch tatsächlich einen Großteil der restlichen immer inflationärer anzutreffenden „Blackgaze“-Bands erblassen lassen, ist die schiere emotionale Wucht ihrer Songs. Davon zeugt nicht nur die herrlich verzweifelte Vocal-Arbeit des neu zum Projekt gestoßenen Old (wohl nur absoluten Insidern bekannt durch seine Band Drohtnung), der unter anderem klar stellt, warum Woods Of Desolation auch zur depressiven Spielart des Genres gerechnet werden, sondern auch ein ausgezeichneter Sinn für Pathos. Die Stücke verlieren sich bei aller Hymnenhaftigkeit jedoch niemals im öden, seit Ewigkeiten totgerittenen Postrock-Crescendo. Ohne viel Geplänkel und langatmige Intros wird auf den Punkt gekommen. Ausgerechnet die knappe Bemessung der Tracks erweist sich in energetischer Hinsicht als eine der größten Stärken von „As The Stars“. Besagte Wucht könnte allerdings noch kraftvoller ausfallen, hätte D. sich bei der Produktion nicht an einem etwas diffusen und dünnen Black-Metal-Standard orientiert. Was in den dunklen Neunzigern bei Darkthrone und Co. noch für zusätzliche Roheit und Fröstelatmosphäre sorgte, versperrt Woods Of Desolations ausgefeilteren Arrangements in punkto Durchschlagskraft ein wenig den Weg. Zwar kommt auch hier ein für Black Metal unübliches Gefühl von Wärme auf, es bleibt aber der Eindruck, dass man bezüglich Sound mit „Torn Beyond Reason“ schon ein ganzes Stück weiter war.
„As The Stars“ mag vielleicht das Crossover-Potenzial von Deafheaven oder den Pionierstatus der frühen Alcest vermissen lassen. Auch finden sich hier keine Übersongs vom Stellenwert eines „The Pecan Tree“. In ihrer definierten Nische, die bei allen Flirts mit Postrock oder Shoegaze immer noch (Post-/Atmospheric-/Whatever-)Black Metal heißt, etablieren sich Woods Of Desolation aber spätestens mit diesem dritten Album als unanfechtbare Macht.