
Efrim Menuck ist ein wütender Mensch. Das lässt er in schöner Regelmäßigkeit jeden spüren, der ihm über den Weg läuft. Den Gewinn des Polaris Music Prize mit Godspeed You! Black Emperor im letzten Jahr nutzte er für eine Generalabrechnung mit der heimischen Musikindustrie, auf Konzerten legt er sich gerne mal mit dem Publikum an. Das System als solches ist ihm fremd und die politischen Entwicklungen auch in seinem Heimatland Kanada lassen ihn sicherlich nicht ruhiger schlafen.
Es wird also mal wieder Zeit für ein neues Album seines anderen, immer wieder unter leicht abgeändertem Namen veröffentlichenden Hauptprojektes A Silver Mt. Zion, mit dem er allein schon durch Gesang sein Anliegen nochmals deutlicher zum Ausdruck bringen kann. Und das ist mächtig: „Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything” steht diesmal auf der Agenda der kanadischen Gruppe. „We Guess We Love Each Other“, das naive, von einem Kind vorgetragene Statement gleich zu Beginn des eröffnenden „Fuck Off Get Free (For The Island Of Montreal)“, wird für lange Zeit das einzige Erbauliche bleiben, bevor sich ein tiefer Zorn über die Welt Menucks und seiner MitstreiterInnen legen wird. Nichts Geringeres als den Zusammenbruch der Städte, der Lebensadern des Zusammenlebens und letztendlich den Niedergang der Gesellschaft behandelt dieser erste Abschnitt. Wenn dann auch noch die bis zum Anschlag aufgedrehten Gitarren alles drumherum zermalmen, wirken selbst die sanftmütigen Stimmen des Chors um Jessica Moss und Sophie Trudeau wie die Ausrufung des jüngsten Gerichts. Es ist ein Stilmittel, das die Band immer wieder verwendet: Inmitten der eskapistischen Untergangserzählungen wird ein aufbauendes Zeichen gesendet, das am Ende die Spannungen aber noch verstärkt, anstatt sie aufzulösen.
So ist es auch nur konsequent, dass das vorzügliche, schon vor zwei Jahren auf Vinyl veröffentlichte „What We Loved Was Not Enough“ seinen verdienten Platz auf „Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything“ eingenommen hat. Etwas zurückhaltender, fast lieblich knüpft es genau an die oben beschriebenen Motive an, Armut, Krieg und Tod beherrschen auch die Szenerie des zweiten Schlüsselstücks des Albums. Der gebrochene Gesang, getragen von zarten Streichern und dem Chor bilden eine furchteinflößende Einheit. Hier wird wieder ersichtlich: A Silver Mt. Zion sind kein Ein-Mann-Projekt, Menuck braucht jeden und jede einzelne zur Vollendung der gemeinsamen Vision. Wie es anderenfalls enden könnte, hat vor einigen Jahren sein inzwischen beinahe in Vergessenheit geratenes Solodebüt „Plays High Gospel“ gezeigt.