
Ist das noch Sludge? Oder schon der Soundtrack für danach, nachdem die abgenagten Knochen von Sludge und Doom von den eisigen Winden der Postapokalypse zu nichtigen Staubkörnern im Orkus des Universums zerstäubt wurden? Die sechs auf dem fünften Album von Indian aus Chicago versammelten Songs – wenn man von klassischen Songs überhaupt sprechen kann – nehmen sich ihre Zeit und fließen gleichbleibend zäh, wie fast erkaltete Lava, aus den Boxen. Keiner der Musiker versucht auch nur im Geringsten, Persönliches Können zur Schau zu stellen. Folglich findet sich kein einziges hervorgehobenes Solo, nichts deutet auf individuelle Profilierungswünsche der Einzelnen hin. Alle dienen einzig und allein der gemeinsamen Sache, alles ist gleichberechtigt. Indian sind gekommen, um alles zu zermalmen, zermahlen, zerstäuben, um brutal die transzendente, kathartische Macht des Riffs in Verbindung mit Lautstärke, Noise und Repetition zu zelebrieren. Musikalisch sind sie dabei oft, wie bei dem Feedback-Drone „Clarify“, näher an Industrial und Noise als an irgendwelchen Metal-Vorgaben. Agonie ist das vorherrschende Gefühl und wenn nach dem letzten Ton von „Disambiguation“ auf einmal die Stille hereinbricht, mag man gar nicht glauben, wie leise und endgültig diese erscheint. Lange passte das Einstürzende-Neubauten-Zitat nicht mehr so gut wie hier: „Hören mit Schmerzen“.