
Die Zeit vor, zwischen und nach Weihnachten und Neujahr dient den meisten Leuten zur Besinnung, zur inneren Einkehr und der Beschäftigung mit der Familie. Oft findet man aber auch noch Zeit, sich mit Musik zu beschäftigen, die aus irgendwelchen Gründen im laufenden Betrieb an einem vorbeigerauscht oder sonst irgendwie untergegangen ist, aber einfach viel zu gut, um unerwähnt zu bleiben. „Soma“, das zweite Album von Windhand, ist so ein Stück Musik.
Das Quintett aus Richmond in Virginia entlässt einen dunklen Monolithen in die Welt, der das Potential hat, weit über die Grenzen des Metal hinaus Hörer und Liebhaber zu finden. „Soma“ bietet alles was eine amtliche Doom-Platte so braucht: Asechiah Bogdan und Garrett Morris sorgen mit ihren Gitarren für tonnenschwere Riffs und Parker Chandler am Bass und Ryan Wolfe am Schlagzeug agieren als monströse, sirupartige, düster rollende Rhythmusgruppe und der analoge Sound, den die vier erzeugen, ist mit erdig nur unzureichend beschriebenen. Eigentlich erst einmal nichts ganz und gar Ungewöhnliches, sondern eher genretypisch, aber Windhand mischen ihrem Stoner und Doom noch eine fette Portion Psychedelic bei, die auch Freunde von Ty Segall, besonders in seiner letzten Inkarnation als Fuzz, abholen und überzeugen sollte. Ein weiterer, deutlich den Zugang erleichternder Faktor ist der Gesang von Frontfrau und Songschreiberin Dorthia Cottrell, der sich nicht wie zum Beispiel bei den ebenfalls großartigen Lycus im Bellen und/oder gutturalen Zerdehnen der Lyrics ergeht, sondern diese spinnenartig in das Soundgewebe einwirkt. Dass hierbei auch das eine oder andere Effektgerät zum Einsatz kommt, sollte nicht weiter verwundern.
Wenn man Windhand eine gewisse oberflächliche Notenfaulheit unterstellt, liegt man vermutlich auch nicht ganz falsch, denn die Band geht mit offensichtlichen Veränderungen sehr sparsam um, vieles passiert im Sediment – tief im Mix, hinter den Riffs. Dieser Umstand führt zu einer gewissen Monotonie, der böse Zungen vielleicht auch Langeweile unterstellen könnten, aber Repetition und Minimalismus haben eben auch jenseits von elektronischer Musik ihren Reiz. Und so wächst „Soma“ vom einleitenden Song Trio „Orchard“, „Woodbine“ und „Feral Bones“ über das akustische „Evergreen“, den psychedelischen Slowfreakout „Cassock“ bis zum dreißigminütigen Schlussmonster „Boleskine“ mit jedem Durchlauf und entfaltet – gerade auch über Kopfhörer – eine betörende Dichte und Größe.