
Popmusik und Galerienkunst haben nicht nur, aber auch dies gemeinsam: Das wagemutigste Konzept, der voluminöseste theoretische Überbau verliert schlagartig an Attraktion, wenn das zu rezipierende Objekt sich als weniger durchdacht entpuppt. Lady Gagas Anknüpfen an Koons und andere Kunst würde weitaus erkundungswürdiger erscheinen, wenn man damit einhergehend auch ein gelungenes Popalbum hören könnte. Doch mangels neuer Perspektiven zeigt sich „ARTPOP“ mit Songs wie „Manicure“ wie die gemilderte Nachfolge des tollkühn-überdrehten „Born This Way“, das zwar so manchen Ausfall bot, aber rückblickend auch mehr Poptriumphe. Im Herzen dieses Albums nun steht mit „Do What U Want“ ein veritabler Hit, der sich genussvoll ausbreitet und kurz vergessen lässt, dass er auf einem Album namens „ARTPOP“ ist – bis der folgende Titeltrack so zahnlos und routiniert wie die meisten seiner Begleiter wieder daran erinnert.