
Ich verfolge nicht jede Veröffentlichung von Thrill Jockey, aber wenn mir dann etwas zu Ohren kommt, bin ich zumeist erstaunt – und das, obwohl das Label aus Chicago ohnehin für Überraschungen und das Pfeifen auf stilistische Zuweisungen bekannt ist. Schon immer erschien dort Musik weit weg vom Mainstream – beispielsweise die elektroakustischen Miniaturen von Nobukazu Nakamura, die Musik der Post-Rock-Pioniere Tortoise oder der Psychedelic-Krautrock von Wooden Shjips -, seit geraumer Zeit kommt diese aber auch aus dem großen Spektrum des (amerikanischen) Post-Metal. „Christs, Redeemers“, das vierte Album von The Body, bespielt dieses weite Feld und setzt sich nahezu paritätisch aus Doom, Industrial, Noise, Folkanleihen, Chorälen und Geschrei aus der Anderwelt zusammen – apokalyptisch, sehr dunkel und sicherlich nichts für sonnige Herbst- oder Wintertage. Wenn es allerdings grau ist, dämmert oder finsterste Nacht und man durch verlassene (Stadt-)Landschaften fährt und wandelt oder sich morgens im Halbschlaf auf dem Weg zur Arbeit befindet, sollte es einen nicht wundern, wenn sich im Inneren das Gefühl manifestiert, man sei nur von Untoten umgeben.