
Susanne Sundfør wendet sich immer weiter von der Sonne ab. War ihr Debüt vor fünf Jahren noch recht konventionelles Singer-Songwritermaterial, schlug sie 2010 auf „The Brothel“ ungleich tollkühnere Wege ein, nährte die Atmosphäre ihrer Musik mit elektronischen Beats und synthetischen Flächen.
Das Nachfolgewerk „The Silicone Veil“ ist weniger Expansion dieser Sounds geworden als eine Pop-Präzision. Weniger verschnörkelt und weniger spektakulär fallen Sundførs Arrangements diesmal aus. Die Songs sind auf die nicht unbedingt simplen, aber doch eingängigen Melodien fokussiert, die von der eindringlich dramatischen Stimme der Norwegerin durch noch düstere Themengefilde als zuvor transportiert werden.
Die gelegentlich überbordernde Experimentierlust mag man vermissen, andererseits zeigt sich „The Silicone Veil“ Song für Song klarer gefasst, homogener. Eigenständig genug, um nicht bloß ein Flickern im Düsterpop-Zeitgeist zu sein? In ihrer Heimat jedenfalls zeigte sich die Kritik begeistert, Musikexpress (vier Sterne) und Spiegel Online nicht viel weniger enthusiasmiert.
Label: Grönland
Referenzen: Zola Jesus, Patrick Wolf, Austra, Radiohead, Björk
VÖ: 05.10.2012