Website-Icon Leben mit Musik | AUFTOUREN.DE

Ty Segall Band – Slaughterhouse

Mit „Slaughterhouse“ legt Ty Segall erstmals ein Album mit seiner Liveband im Rücken vor. Unterstützung hat er auch dringend nötig, denn eine Hommage an „Fun House“ der Garage-Rock-Ikonen The Stooges kann man vermutlich unmöglich alleine einspielen.

Wer daran zweifelt, dass der Albumtitel wirklich Programm und Konzept ist, wird vom Opener „Death“ eines Besseren belehrt. Wie Segall sich durch die erste Minute tastet, ist schmerzhaft und anziehend zugleich. Rostiges Feedback, das direkt sämtliche vernarbte Wunden wieder aufreißt, leitet den impulsiven Auftakt ein, der trotz seines tanzbaren Garage Rocks eher eine wütende bis destruktive Grundhaltung innehat – „Evil, evil spacerock“ eben, wie Segall seine Vision für das Album beschreibt.

„Slaughterhouse“ lebt wie auch schon viele der Soloalben Segalls von einem schwer zu fassenden Spannungsfeld zwischen Improvisation und ausgeklügelten Ideen, sowie Rückgriffen auf die Musikgeschichte. Doch zusammen mit seiner Band begibt er sich einen Schritt weiter auf das Hochseil ohne spürbare Absicherung. Wie es sich für einen Schlachthof gehört, dienen die Instrumente nicht mehr nur ihrem ursprünglichen Zweck, sondern verstärken die bedrohliche Atmosphäre. Überrumpelnde Gitarren wie in „Mary Ann“ oder sich aufbäumende Drums wie in „Tell Me What’s Inside Your Heart“ werden in diesen Momenten zu Werkzeugen und Maschinen. Auch Segalls Gesang steht dem in nichts nach und springt dem Hörer wie ein erst gerade scharf geschliffenes Messer entgegen („That’s The Bag I’m In“). Dass mit vertraut eingängigen Klängen zugleich mächtig Staub aufgewirbelt und somit eine Atmosphäre zwischen Himmel und Hölle erzeugt wird, verstärkt diese Wirkung noch einmal.

Selbst hitverdächtige Songs bewegen sich in diesem Muster. „Wave Goodbye“, das bei anderer Interpretation das Zeug zum Soundtrack für den American Dream haben könnte, zuckt kurz bevor es zur Hymne wird zurück und flüchtet sich in fatalistische Noiseklänge. Und wenn selbst die Version von „Diddy Wah Diddy“, der sich schon dutzende wichtiger Bands annahmen, noch mit ungeheurer Zerstörungswut punktet, ist es wie in Stein gemeißelt: „Slaughterhouse“ ist genau das Album, das Segall immer machen wollte und nun mithilfe seiner Band endlich vollenden konnte.

Als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, nimmt das zehnminütige „Fuzz War“ zum Abschluss den Faden der ersten 60 Sekunden wieder auf und bringt „Slaughterhouse“ mit einer ebenso trägen wie langgezogenen Feedback-Orgie zu einem überraschenden Ende. Die Bildgewalt rückt immer weiter in den Hintergund und ist bald nur noch verschwommen zu sehen, während die Tristesse unaufhaltsam näher kommt. Das ist nur konsequent und verstärkt das dunkle Bild, welches das Album zeichnet, entscheidend. Wäre das Attribut „ehrlich“ inzwischen nicht so negativ besetzt, könnte man „Slaughterhouse“ als genau das bezeichnen. Das Album präsentiert sich verschwitzt, roh und bei aller Liveatmosphäre und Improvisationskunst extrem dicht. Und evil ist es sowieso.

Label: In The Red

Referenzen: The Stooges, MC5, Sonic Youth, Swans, Black Flag, Suicide, Syd Barrett

Links: Homepage | Facebook | Label

VÖ: 26.06.2012

Die mobile Version verlassen