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Alcest – Les Voyages De L’Âme

Der Herbstfaun (erfunden für das letzte Agalloch-Album „Marrow Of The Spirit“) ist zurück. Nur kommt er dieses Jahr etwas später und taumelt nicht in nordischen Gefilden, sondern bahnt sich seinen Weg durch Seelenlandschaften frankophoner Herkunft. Alcest begleiten ihn ein Stück.

„Les Voyages De L’Âme“ – Die Reisen der Seele. Neige, seines Zeichens Kopf bei Alcest (und Mitglied, Mastermind und Gaststar auf vielen art- und doch nicht so ganz verwandten Gruppen wie Amesoeurs, Peste Noire, Lantlos und Les Discrets), konzentriert sich auf seinem neuen Album gemeinsam mit dem seit 2009 an Bord befindlichen Winterhalter, welcher sich um die perkussive Ausgestaltung kümmert, deutlich in Richtung Innerlichkeit. Waren die Vorgänger entweder frühlingshell wie bei „Souvenirs D’un Autre Monde“ oder von kaltem Mondlicht durchzogen („Écailles De Lune“) scheint das neue Album beim ersten Hören genau die Mitte zu wählen: weite, flächige, ja nahezu ambiente Spuren, die sich weder komplett aus den Black-Metal-Strukturen früherer Tage zurückgezogen haben noch an die traumwandlerischen Sequenzen des ersten Albums annähern.

Schon das erste, vorab in einem weltumarmenden Video vorgestellte „Autre Temps“ macht die Tür zur Außenwelt nahezu komplett dicht, Neige singt von Vergänglichkeit, Herbst, goldenen Zeiten. Temps passés. Das klingt gelesen traurig, musikalisch jedoch wunderschön, beinahe ätherisch flirren die Gitarren durch den Raum und die Stimmfarbe Neiges, die doch eigentlich so emotionslos daher kommt wie ein kahler Baum am Straßenrand, erreicht durch die Intensität der Musik mehr Gewalt als ihr lieb zu sein scheint.

Sicher, „Les Voyages De L’Âme“ umfängt den Hörer mit einer solchen Wucht, die süßlich, vielleicht gar kitschig wirken kann, doch erobert dass Klangbild während der acht Stücke andauernden Reise nach und nach erst den Kopf und dann das Herz. Bei der sphärischen Dauerfeuerarie „Beings Of Light“ zum Beispiel, die ohne echten Gesang auskommt und bei der sich aus der Luft materialisierende Chöre mit Schlagwerk und Sägezahngitarren um die Vorherrschaft streiten. Oder beim marodierenden „Faiseurs De Monde“, das die anmutige Stimmung wechselweise mit vehementem, nahezu nihilistischem Gekreisch zu durchbrechen versucht oder sie durch das druckvolle Schlagzeugspiel wieder auf die richtigen Pfade zurück gleiten lässt.

Es ist schwer, dem Album ein echtes Herzstück zu attestieren. Weil man sich nun schon über drei Albumlängen hinweg mit dem Seelenleben des umtriebigen Franzosen vertraut machen konnte, kennt man dessen Neigung zum Zusammenklang, den er auch hier wieder perfektioniert. Sein Einfall, dem von Zwielicht durchfluteten „Summer’s Glory“ ein zartes, folkinfiziertes Intro mit „Havens“ zu schenken, lässt aufhorchen, verstummt es aber dann doch rechtzeitig genug, um dem Erscheinungsbild keine vollends neue Facette zum bieten.

Neige hat sich wohl darüber Gedanken gemacht, sich keine Gedanken machen zu müssen. Weg vom zwiespältigen Weg des Vorgängers, wieder hin zu den märchenhaften Klängen, die wie aus einer anderen Welt auch Einzug auf dem neuen Album gehalten haben. Vor allem aber: hin zu songartiger Prägnanz, die den Stücken, die erstmalig auch englische Titel tragen, zwar ein wenig des Raumes nehmen, der der „Souvenirs D’Un Autre Monde“ noch innegewohnt hatte, jedoch auch keine Angst vor willkürlicher Redundanz verbreiten.

Label: Prophecy Productions

Referenzen: Les Discrets, Agalloch, Amesoeurs, Cocteau Twins, Liturgy

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VÖ: 06.01.2012

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