
Über Josh T. Pearson kann man eine Menge erzählen. Nicht nur, dass er vor Jahren bereits musikalische Fußspuren hinterlassen hat und mit seiner Band Lift To Experience und dem Album „The Texas-Jerusalem Crossroads“ einen echten Kritikerliebling fabriziert hat. Er hat auch mit so namhaften wie unterschiedlichen Künstlern wie Bat For Lashes und Mitgliedern von The Paper Chase und My Bloody Valentine musiziert und veröffentlicht nun sein erstes und vielleicht sogar einziges echtes Soloalbum, welches unsagbar passend „Last Of The Country Gentlemen“ betitelt ist.
Allumfassende Traurigkeit spiegelt sich nämlich auf den sieben, teilweise ellenlangen Titeln wieder, die in der Regel allein von Pearsons sentimentalem Gitarrenspiel begleitet werden. Seine Stimme schlingert zwischen Resignation und Rezitation hin und her, Strukturen und gar ein erkennbares Grundkonstrukt fallen der trüben, aber dennoch leidlich warmherzigen Stimmung zum Opfer. „Sweetheart, I Ain’t Your Christ“ bebt und zittert er sich durch den herausragendsten Song des Albums, nicht ohne spätestens eine halbe Stunde später die Entschuldigung parat zu haben: „Sorry With A Song“. Irgendwie erinnert „Last Of The Country Gentlemen“ frappierend an die Solowerke Mark Kozeleks, dessen Virtuosität an der Gitarre Pearson aber nicht erreicht. Diese fehlende instrumentale Meisterkraft macht der bärtige Sänger aber durch ein Unmaß an traurigen und todernsten Facetten wieder wett. Wenn ihn die trunkenen Geigen in „Woman, When I’ve Raised Hell“ noch tiefer in seine eigenen Abgründe ziehen, wenn ihn die Angst schier zum Verzweifeln bringt oder wenn er, wie in „Drive Her Out“, einen letzten verzweifelten Versuch zur Selbstkasteiung begeht.
Es ist ein Wagnis und bedarf Durchhaltevermögen, sich auf die intensive Zerfleischung des gottesfürchtigen Sängers einzulassen, doch wer keine Angst vor der wohl traurigsten und einsamsten Platte der letzten 10 Jahre hat, wird hier reichlich mit lyrischer Strahlkraft mitten aus dem einsamen Herzen versorgt.
„Last Of The Country Gentlemen“ ist auf Mute – Aip erschienen
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