Die Mix-CD-Kultur in der DJ-Szene ist eine feine Sache. Erfahrene Crate-Digger nehmen uns an die Hand – um nicht zu sagen an ihre „Dusty Fingers“ – und führen uns in eine andere Welt. Ob man nun das ein oder andere Stück der Tracklist bereits kennt, spielt dabei keine Rolle: Der einzelne Song muss sich der Geschichte beugen, die erzählt werden will. Im Kontext eines fein arrangierten Spannungsbogens blüht so manch bekannter Track ohnehin in neuer Pracht auf. Aktuell warten zwei große Namen der elektronischen Musik mit Compilations auf, die keine unterschiedlicheren Wege hätten einschlagen können: Wähernd uns Berghain-Resident Len Faki auf eine düstere Reise durch die Katakomben seines Stammclubs führt, lädt uns Trentemøller auf eine meditative Hafenrundfahrt durch die morgendlichen Nebelschwaden seiner Heimatstadt ein.
Von der Eröffnung der mittlerweile dritten Berghain-Compilation darf man sich nicht täuschen lassen. Bereits wenige Sekunden, nachdem das epische Streicherspiel in die Gewitteratmosphäre getaucht wurde, pumpt Len Faki mit der Durchschlagskraft eines russischen Sturmgewehres Beats durch die schwitzende Masse. Der angeschlagene Tenor ist dabei von Anfang an symptomatisch für das Berliner Ostgut-Label: Existentialistisch – reduziert – tief. Immer wieder splittert der Beton unter den grobkalibrigen Geschossen berstend durch die groß angelegten Räume. Die überschüssige Energie entlädt sich dabei periodisch per Hochdruckventil in gleißend, weißem Rauschen. Nach einer langen Nacht lichtet sich die Dunkelheit nach und nach, bis man schließlich bei Burials großartigem „Where Is Home“ (Bloc Party Remix) angelangt ist.
V.A. – Berghain 03 ist am 20.04.2009 auf Ostgut Tonträger erschienen
V.A. – Harbour Boat Trips Vol. 01 – Copenhagen ist am 15.05.2009 auf Hfn Music (Rough Trade) erschienen