
Ilja ist einer jener Produzenten, die eine eher klassische und zeitlose Definition von „Deepness“ vertreten. Gänzlich unprätentiös kommt sein zweites Werk beim ersten Hören daher, wendet sich dann aber umso mehr der düsteren Seite des Clubs zu. Schwappen anfangs noch gefilterte Flächen über luftige Bassdrums, dekonstruiert sich das Melodiengeflecht immer mehr zu einem bedrohlich kompakten Minimal-Sound. Die Kunst bei all der Verdichtung, Tiefe zu wahren, gelingt dem gebürtigen Finnen mit Bravour. Dabei muss die Bassdrum auch nicht immer gerade sein und der Sound aus dem Synth kommen. So spannt „No Words Necessary“ einen dramatischen Bogen über kühle Hip-Hop-Patterns, während auf „Immortal“ Geigen surren, die selbst einem Patrick Wolf nicht besser hätten gelingen können. Das Stück „Twins“ setzt den Hörer einer drogeninjizierten, surrealen Paranoia aus – nur, um ihn am Ende mit „Helios“ doch wieder samt versöhnlichem Streicherspiel im schwellenden Vibrato der Realität zu überlassen.
Fehlende Abwechslung kann man dem mittlerweile in Berlin ansässigen Produzenten definitiv nicht vorwerfen. Dafür bleibt sein House-Entwurf streckenweise sehr zweidimensional. Das Skizzenhafte der Tracks mag durchaus funktionieren, geht aber oft auf Kosten des Raumes und damit der Entfaltung des Klanges. Im Gesamtbild bleibt das jedoch nur ein kleiner Schönheitsfehler, denn ansonsten wird fundierte Arbeit an den Knöpfchen geleistet.
Referenzen:Carsten Jost, Efdemin, Sascha Funke, Pantha Du Prince, Gui Boratto, Michael Mayer,
Label:Bpitch Control
VÖ: 04.05.09
Spieldauer: 57:11