
Schon der Einstieg wird in einer Erhabenheit vollzogen, die ihresgleichen sucht: Eine seismisch pulsierende Bassdrum versucht mit aller Mühe den von Sehnsucht und Aufbruchsstimmung getriebenen Lead-Sound in den Groove zu zwingen. Ein schweres Unterfangen. Gui Boratto wahrte schon immer den scharfen Kontrast aus bodenloser Tiefe und technischer Agilität. Der Brasilianer ist durchweg von einer optimistischen Melancholie getrieben, die ihn jedoch nie daran hindert, die Schraube auch mal etwas anzuziehen. Minimalere, Club tauglichere Stücke sind dabei in gleicher Weise vertreten wie träumerische Electronica-Balladen, wobei erstere von Zeit zu Zeit etwas deplatziert wirken. Der Stringenz des Albums tut das im Großen und Ganzen aber keinen Abbruch.
Das Stück „Colors“ weckt mit seinen synthetischen Streicher-Arrangements Erinnerungen an die Soundtrackarbeiten des New Yorker Komponisten Angelo Badalamenti. Borattos stark ausgeprägte Pop-Affinität manifestiert sich aber wohl am deutlichsten auf „No Turns Back“. Das schwermütige French-House Riff kämpft sich solange durch den quantisierten Wahnsinn, bis ein wunderschönes Gitarrensample die Stimmung aufbricht und eine unverzagte Frauenstimme einen Silberstreifen an den wolkenlosen Horizont zaubert. Wäre es nicht erst März, hätte man hier wohl einen ausgemachten Sommerhit vorliegen.
Label: Kompakt
Referenzen: Sascha Funke, Stepan Bodzin, Robert Babicz, SCSI-9, Minilogue, Nathan Fake, Superpitcher
Spieldauer: 67:23
VÖ: 13.03.09