
Balmorhea haben sich mit ihren ersten beiden Alben den Ruf einer „Folk-Ambient-Postrock“-Band erspielt und auf diesem Album tun sie nichts, um dem zu widersprechen, im Gegenteil: Die Vocals treten in den Hintergrund, wenn sie überhaupt auffallen; die meisten Stücke kommen sowieso ganz ohne aus. Die Stimme ist ein gleichberechtigtes Instrument unter vielen. Daneben gibt es wieder akustische Gitarren, Klavier, Streicher, Banjos und das postrocktypische Laut-Leise Spiel, jedoch wirkt dieses durch den Umstand, dass Balmorhea immer wieder unerwartete Richtungen einschlagen, deutlich abwechslungsreicher und frischer als bei so manchen Genre-Kollegen. Als eindrucksvolles Beispiel wäre das ekstatische Ende des Openers „Settler“ zu nennen, das fast schon leichtfüßig mit „clap hands“ daherkommt und so Assoziationen zur letzten Sigur Ros Platte hervorruft. Auch „Remembrance“ ist ein exzellenter Song, der dunkel mit Banjo, Gitarre und Streichern beginnt, bis sich im Hintergrund eine Stimme erhebt. Der Spannungsbogen nimmt seinen Lauf, Hektik liegt in der Luft wie ein Gewitter. Das Schlagzeug setzt ein und drückt die Kurve wieder nach unten. Das Banjo spielt fröhlich mit den Streichern, nimmt das Thema vom Songanfang wieder auf und der Song klingt dann kurze Zeit danach zufrieden aus. Kaum ein Album hat einen so widersprüchlichen und doch passenden Namen wie dieses. Es gibt keine Brüche mit dem Gefühl, Balmorhea spielen in ihrer ganz eigenen Welt auf. Sie fordern vom Hörer das Versprechen ein, dass er bedingungslos in diese Welt eintritt, sich konzentriert und auf diese Musik vollkommen einlässt, keine Fragen stellt und nicht nach hinten oder vorne schaut. Wer sich darauf nicht einlassen kann oder will, der sollte um diese Scheibe einen Bogen machen. Zudem ist dieses Werk sicher nicht die Erfindung des Rades, nicht selten überkommt einen das Gefühl, das alles doch schon irgendwoher zu kennen (ein rot-weißer Pulli) – jaja, diese verflixte Suche wieder…
Nach der dynamischeren, aber nicht minder guten Tour EP ist diese Platte wunderbar in sich geschlossen und geht den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Balmorhea legen mit ihrem dritten zugleich ihr vielleicht interessantestes und schönstes Werk vor, das immer dann großartig wird, wenn man glaubt, Walter gefunden zu haben.
Label: Western Vinyl
Spieldauer: 41:44
Referenzen: Mono, From Monument To Masses, Olafur Arnalds, The Appleseed Cast, Sigur Rós
VÖ: 10.03.09