
Wer den Pop im ersten Teil dieser Zusammenstellung vermisst hat, dürfte von „Holland“ angenehm überrascht sein, wenn auch anders als man sich das vielleicht vorgestellt hat. Mit der rumpelnden Gypsi-Weltmusik von Beirut hatten (oder besser haben?) die Realpeople nämlich ziemlich wenig gemeinsam. Hierbei handelt es sich angeblich um ausnahmslos ältere Songs, die Zach Condon im zarten Alter von 15 Jahren unter diesem Pseudonym schrieb (Wer den jungen Mann also schon immer für den talentiertesten Frühreifen im Musikgeschäft abseits von Conor Oberst hielt, darf sich bestätigt fühlen) und die allesamt im feisten Kinderzimmerelektropop-Gewand daherkommen. Das klingt samt der kompletten Bollerwagenladung an Billigbeats zunächst natürlich gewöhnungsbedürftig und weit entfernt von etwaigen Vorbildern wie The Postal Service und Songtitel wie „My Night With The Prostitute From Marseille“ lassen sich wohl auch nur durch die Jugend ihres Schöpfers entschuldigen, doch nach dem ersten Schock wird schnell klar, dass diese EP dem Beirut-Kosmos konsequent ein weiteres Element zufügt, dass sich bisher nur vereinzelt in Liedern, wie dem grandiosen „Scenic World“ vom Debütalbum, andeutete. So sind es doch vor allem Zach Condons vertrauter Klagegesang und die natürlich auch hier gelegentlich anzutreffenden Bläsersätze, die „Holland“ davor bewahren, in Beliebigkeit abzudriften und es damit zu einem ganz klaren Wink in Richtung Zukunft befördern. Spätestens mit dem zwar ziemlich cheesy anmutenden aber dafür ungewohnt leichtfüßigen Schlusstrack „No Dice“ sollten die Realpeople es dann geschafft haben, auch den größten Miesepetern ein immerhin leichtes Grinsen ins Gesicht zu zaubern.
Label: Pompeji / Indigo
Spieldauer: 36:42
Referenzen: A Hawk And A Hacksaw, Black Ox Orkestar, Calexico, Neutral Milk Hotel, Casiotone For The Painfully Alone
VÖ: 13.02.2009