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Review: Klez.E – Vom Feuer der Gaben

GEGEN DEN TAG

“Flimmern“ kam schier unerwartet und schien deutscher Popmusik mit einer geballten Ladung Unkonventionalität frech den Mittelfinger entgegenzustrecken. Anderthalb Jahre nach unkaputtbaren Hymnen wie dem “Strandlied“ und “Surfen im Wahnsinn“ haben der Delbo-Gitarrist Tobias Siebert und seine Truppe auf ihrer experimentellen Spielwiese Klez.E die Aufnahmen für das dritte Studioalbum beendet. Und wie es der majestätisch anmutende Titel “Vom Feuer der Gaben“ vermuten lässt, spielt auf dem neuen Werk der fünf Berliner mehr mit, als nur Gitarre, Bass und perkussives Tierfell.

Passé sind nervenzerrende, verwegene Wälzer wie “Standard“ oder “Die Essenz“, die “Flimmern“ noch vom Meisterwerk trennten. Auf “Vom Feuer der Gaben“ regiert die Melodie. Es lebe der “Tag im Fall“. Seien es Kirchenorgeln, die sich in den letzten Jahren Popmusik-Geschichte steigender Beliebtheit erfreuen konnten, ein Blas- und Streicherorchesterspiel, das den Titeltrack im Walzertakt vorantreibt, professionelle Chöre, die “Madonna“ einen Hauch Himmlichkeit verleihen oder hydraulische Industriegeräusche als Schlagzeugersatz im vom Harmonium getragenen “Im Raum mit Toten“. Klez.E setzen auf Echtheit der Sounds. Nur das wenigste stammt hier aus dem Laptop. Und dennoch bleibt “Vom Feuer der Gaben“ Popmusik in Reinform.

Der Hang zur großen Geste, ausufernde Melodien, eine facettenreiche „Wall of Sound“ und das richtige Feingefühl für Pathos lassen “Vom Feuer der Gaben“ von der ersten Sekunde an aufblühen, wo sich der Hörer ein gern hakenschlagendes “Flimmern“ erst mühevoll erkämpfen musste. Sänger Tobias Siebert schielt mit seiner weinerlichen Zerschlagenheit noch immer zu Thom Yorke herüber und schlängelt sich in seinen Texten trittsicher zwischen Kitsch und Metaphorik hindurch.

Vielleicht ist “Vom Feuer der Gaben“ nicht ganz das deutschsprachige “OK Computer“ geworden, was es zweifellos gerne wäre. Klez.E kommen der intimen Zerbrechlichkeit Radioheads allerdings so nahe, wie kaum einer anderen deutschen Band es zuvor gelang und bringen unsere Hörgewohnheiten abermals ins Wanken. Und auch wenn ein überbordender Schlusstrack à la “Surfen im Wahnsinn“ ausbleibt, rutscht der Finger nach dem Ausklang der Bläser in “Gebet für mehr“ eilig zur Repeat-Taste. “Wir ziehen an der Zeit, ein Augenblick wird zur Ewigkeit“.

8.3 / 10

Label: Loob

Spieldauer: 50:50

Referenzen: Radiohead, Voltaire, Kante, Naked Lunch, Delbo, The Notwist, Sport

Links: Homepage, MySpace, Loob

VÖ: 30.01.09

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