
Während ich dann so in besagter Leseecke rumhänge, tritt auf einmal die Securiy an mich heran. In Deutschland eigentlich immer ein schlechtes Zeichen und fast war ich mir auch sicher, dass er mich gleich nach geschmuggeltem Bier durchsucht. Es kam dann aber doch anders und ist wahrscheinlich das beste Beispiel für die Atmosphäre in dem Laden. Daniel, so hieß unsere Security, gehört zu einem der Hilfsprojekte, welche vom „Smell“ organisiert werden.
Er selbst ist obdachlos, darf mit dem Security-Job wenigstens ein paar Dollar verdienen und erfreut sich nebenher daran, die Gäste nach „tips“ fragen zu können. Nun hatte er wohl gesehen, dass ich ganz alleine vor mich hin starrte und mich langweilte (bis die erste Band anfing, sollte es noch eine gute Stunde dauern!), also kam er auf mich zu, um mich ein wenig zu unterhalten. Außerdem war er auch etwas neugierig und wollte wissen, wer ich denn wohl sei, denn alle anderen Besucher kannte er bereits länger. Sowieso waren sich alle unter untereinander sehr vertraut, das Ganze erinnerte stark an ein Familientreffen.
Der Eindruck verstärkte sich, als die erste Band, Voice On Tape, anfing zu spielen. Lou, so heißt der Mann hinter Voice On Tape, schaffte es bereits mit dem ersten Song, das Publikum in ehrfürchtiges Schweigen zu versetzen. Insgesamt glich der Auftritt einem gemütlichen Abend, an dem man sich mit Freunden zusammensetzt und gemeinsam Musik genießt. Wer sich von den Qualitäten und insbesondere der unglaublichen Stimme des Ein-Mann-Projektes überzeugen möchte, kann das an dieser Stelle gerne tun; besonders zu empfehlen ist übrigens „Marry You When You’re Sleeping“.
Als nächstes betraten dann Father Murphy die Bühne. Ein durchaus interessantes Trio aus Italien, dessen Besonderheit darin liegt, dass permanent alle drei Musiker singen, mal mit-, mal, gegen- und mal durcheinander. Wer ein Herz für Experimentelles hat, dem sollte das hier doch sehr zusagen. Übrigens wieder eine Besonderheit im „Smell“: Mit Beginn des ersten Stückes stand das Publikum in der ersten Reihe. Diesen leicht unangenehmen Moment, wenn die Band loslegt und die Zuschauer lieber noch im Hintergrund verweilen und abwarten, gibt es hier einfach nicht.
Abgesehen davon, dass ich wirklich noch gern ein Bier getrunken hätte, bleibt festzuhalten, dass das „Smell“ alle hier geernteten Vorschusslorbeeren vollauf verdient hat und derzeit wahrscheinlich zu den spannendsten Clubs der Welt zählt!
P.S. Wer sich immer schon fragte, wie das Smell zu seinem Namen kam, hier eine mögliche Erklärung: