Martha FfionSunday Best

Öffnet man wieder mal die Referenzschublade, stöbert man zwischen den niedlichen Folkstimmen der aktuellen Saison sicherlich auch Martha Ffion auf. Deren Debütalbum weist allerdings weniger Lokalkolorit denn sanfte Melodieführungen mit 60er-Esprit auf und lässt auch den Flirt mit Dreampop und seinen Verwandten nicht aus.

Generell ist „Sunday Best“ erstaunlich kurzweilig, der Mode entsprechend und somit tief in der Vergangenheit verwurzelt. „Take Your Name“ hat diesen typischen Tanzflächenbeat, der sicherlich seit 50 Jahren nahezu alle Ballsäle der westlichen Hemisphäre erobert hat und Ffion singt auch noch davon, den Namen des Herzallerliebsten zu tragen. Süßlichen Kitsch kann sie also schon mal und beweist auch mit „Punch Drunk“, dass sie von den Supremes über France Gall bis hin zu Vanessa Paradis viele Spielarten der weiblichen Stimmklaviatur beherrscht. Wenn sie wie in der Jugenderinnerung „Record Sleeves“ mit kraftvollem Gitarreneinsatz und deutlich mehr Trommelwirbel als zuvor zu einer regelrechten Frontfrau mutiert und das in „No Applause“ auch noch mal deutlich bestätigt, überrascht das zwar, doch selbstverständlich bleibt auch hier das instrumentale Engagement im Rahmen der Erwartungshaltung. Hier weicht allerdings auch die Süße aus ihrer Stimme, ein bisschen scheint sie sich gar für den allzu lieblichen Einstieg in „Sunday Best“ entschuldigen zu wollen.

Dort nämlich steigt sie wie die unschuldige Pastorentochter erst einmal mit Liebesschwüren ein, singt vom Vermissen und von wahrer Liebe – grundsolide, aber eben auch ein bisschen langweilig. Sonntagmorgenimbettbleibmusik sagt der eine, kuschelt sich wieder in die Decke und verpasst dabei die melodisch anspruchsvollere zweite Albumhälfte. Mit einem Hauch von Sommer in der Stimme und ein wenig zu viel Flöte im Nachhall geht es dort nämlich in „Beach“ an den Strand, bevor das abschließende „Baltimore“ im Walzertakt Country- und Folkfreunde gleichermaßen glücklich machen wird. Allein, es ist dann doch eine Spur zu konventionell geraten, um sich mit der hier artverwandten Courtney Marie Andrews zu messen.

Die mittlerweile in Schottland lebende Musikerin lässt ihrem Produzenten Jamie Savage (The Twilight Sad, King Creosote) und ihrer Liveband, mit der sie „Sunday Best“ eingespielt hat, eine ganze Menge Raum. Dadurch wirkt das Album lebendig, in Teilen gar richtiggehend vital, doch fehlt der zündende Kniff, um die schön herausgearbeiteten Melodien komplett zur Entfaltung zu bringen. Schnörkel braucht Ffion zwar nicht, doch ein kräftiger Zug an der Intensitätsschraube und etwas weniger Lieblichkeit täten ihrem Erstling schon gut.

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