Stef ChuraMesses

Courtney Barnett, Waxahatchee, Jen Cloher, Alison Crutchfield – in diese recht erlesene Reihe der neuen Slacker-Rock-Heroinen reiht sich Stef Chura ein und hat auf „Messes“ neben verwundbaren Momenten durchaus ihre Meinung kund zu tun. Ihre kurzen, zumeist sehr realistischen, unmittelbaren Texte sind dabei der Schlüssel für ein Album, das vor allem vom herben Timbre der Musikerin lebt. Im frischen „Slow Motion“ etwa, das seinem Namen im entstehenden Galopp der Gitarren kaum gerecht wird, im munter pendelnden „Faded Heart“ mit seiner schönen 60er-Melodie oder im abschließenden „Speeding Ticket“, dem heimlichen, weil mit genießerischer Eindringlichkeit gesungenen Hit des Albums, setzt Chura ihre Stimme mit erfrischender Beiläufigkeit ein. Die Gitarrenlinien sind hübsch, zitieren die 90er-Vorbilder von Pavement bis PJ Harvey und bleiben dann doch dahinter zurück. Alles klingt zumindest gefällig und auch die Stimmung auf „Messes“ passt zu den zumeist energischem Ausbrüchen und gefühlsseligen Melancholieschlenkern, doch versteckt sich die Detroiterin bis zum finalen Höhepunkt zusehends in den Saitenwirbeln, die beim Titelsong auch schon mal ganz schön tief daherbrummeln dürfen. Tatsächlich klingt Chura hier in ihrer Wut so, als würde sie durch ein Dosentelefon singen, was zunächst aufregend scheint, dann aber doch in einer leidlichen Gleichförmigkeit versandet. Fast noch langweiliger schließt „On And Off For You“ daran an, was dafür sorgt, dass „Messes“ gerade zum Ende hin ein wenig zu viel Schlagseite bekommt, um sich in Position zu bringen. Ein bisschen mehr Rage, ein Quäntchen mehr Varianz und mehr solcher entzückend abstrakter Wortfetzen, wie wenn sie in „Becoming Shadows“ Nähe, Ferne und die Distanz zum Stand der Dinge skizziert und damit gleich ein ziemlich passendes Motto bereithält: “We used to distance to keep us together/ We used to distance to keep us joined“.

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