Mit ihrem zweiten Album hat Carmen Villain zu sich selbst gefunden. Zwar war schon ihr psychedelisches 2013er Debüt größtenteils selbstproduziert, doch ohne die zahlreichen Beiträge aus der norwegischen Smalltown-Supersound-Gemeinde entwarf die Multiinstrumentalistin das „Infinite Avenue“ nahezu gänzlich im wohnlich abgeschiedenen Alleingang. Unter Aussparung des dissonanten Post-Punks, der sich auf „Sleeper“ zäh verdichtete, ist Villain ein sphärisch gelöstes Werk gelungen, aber auch gefestigtes Songwriting. Das zeigt sich vor allem im pianogetragenen „She‘s Gone To California“, „Red Desert“s Mazzy-Star-haftem Traumschlurf oder im Jenny-Hval-Duett „Borders“, das trotz seines hauchdünnen Spektralsounds eine handfeste Anklage rassistischer Politisierung von Einwanderung ist. Gemäldehaft streckt sich nicht nur das gesangslose „The Moon Will Always Be There“ über zurückhaltendem Beat und minimaler Drone-Linie aus: Im Finale des emotional intimen Titelstücks („Strike my heart/ Feel my body too/ Hoping that I can be enough for you“) zerfasert Villains Stimme über Gitarrenzupfen zur prächtigen Schmelz-Textur, während sie über die nachhallenden Arrangements von „Water“ und „Planetarium“s ambientes Hauchen zum Albumende hin graduell zu verdunsten scheint. Darin kann man sich gerne verlieren.

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