The SufisAfter Hours

Lindsay Lohans Karriere hat nicht nur wegen des Albumcovers einiges mit „After Hours“ gemein. Waren ihre Filme zu Kinder- und Jugendtagen doch zunächst quietschbunt, disneyesk, poppig und auch vielversprechend, kam dann mit dem Heranreifen ein Skandal nach dem anderen, sie wurde verschmäht, belächelt und schlichtweg nicht mehr ernstgenommen. Suchtpotenzial und Kurzlebigkeit.

Im Film „Machete“ glänzte sie dann allerdings als verzogene Gouverneurstochter und Freiheitskämpferin im Nonnengewand, bekam die Rolle ihres Lebens und wurde ein Bild für die Ewigkeit. The Sufis tauschen die Waffe mit einer Zigarette und erzählen die Geschichte weiter: „After Hours“ ist ein unverschämt kurzes, poppiges, garstiges und psychedelisches Werk, das den Weg gefunden hat, den Lohan vermutlich noch sucht.

Kurz erklärt: The Sufis sind ein Konstrukt um Calvin Laporste und Evan Smith aus Nashville, Tennessee und referenzieren mit ihrem Namen asketische und mystische Strömungen des Islams. Nunja, mystisch passt, asketisch aber nicht. Ihr inzwischen drittes Album wirkt eher pompös und vereint unterschiedlichste Bewegungen der 60er und 70er mit dem Jetzt – und kommt dabei zu keiner Atempause. Wie auch, bei insgesamt 27 Minuten? Der Titeltrack gehört mit unter zweieinhalb Minuten zu den längeren Songs und verbindet eine sehr angenehm bluesige Orgel mit wunderbar lieblichen Zeilen und einem Geflüster und Gesingsang, wie es Courtney Taylor-Taylor kaum besser hinbekommen würde. Beim zweiten Song „Made Me Leave / Grispy Graves II“ kommt deutlich die Vorliebe für das Elephant-6-Kollektiv durch, die sich über das ganze Album zieht: Da poltern die Drums zu spacigen Melodien, bis sie unsanft von knarzigem Geklimper unterbrochen werden und mit „Anymore“ in die nächste Melodieperle münden. „Another Way“, der wohl beste Song, liebäugelt daraufhin charmant mit „My Sweet Lord“.

So schleicht sich „After Hours“ mit viel Geschick und einer gehörigen Portion guter Laune durch Popwelten vergangener Zeit, immer mit einem liebenswerten bösen Grinsen auf den Lippen, bis es bei „Watch Out“ fast zum Überschlag kommt. Quasi eine lohansche Kombination aus karameltriefendem Popcornkino à la „Herbie“ und „Freaky Friday“ mit erbarmungsloser Rodriguez-Ballerei.

Die Kürze der Songs mag zunächst vor den Kopf stoßen, doch gelingt es The Sufis stets, sie zu beenden, bevor sie überhaupt die Chance haben, sich zu verlieren. Und das ist in dem Genre schon bemerkenswert.

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