Grizzly BearPainted Ruins

Aus den Untiefen des New Weird America er- und dem Hipstertum Brooklyns noch nicht ganz entwachsen, präsentieren sich Grizzly Bear unerhört gereift. Trotzdem bleibt das fünfte Album „Painted Ruins“ eine verspielte Angelegenheit, der die Ideen nicht auszugehen scheinen.

Kinkerlitzchen und kleine Kabinettstückchen, winzigste Soundpartikel, Klangplankton: Grizzly Bear wären nicht Grizzly Bear, wenn es nicht wieder mal genau diese Kleinigkeiten wären, die aus den ohnehin gefälligen und meistens sehr entspannt erdachten Songs diese kleinen Kostbarkeiten werden lassen. Fünf Jahre nach „Shields“, das mit seiner gewichtigen Klangästhetik einen Wendepunkt im Schaffen der Band darstellte, scheint sich „Painted Ruins“ wieder eher in den Dienst harmonisierender Versatzstücke zu stellen, ohne dabei aber gänzlich auf Druck oder Sturm und Drang zu verzichten.

Nach wie vor sind die weitreichenden Gesangslinien von Ed Droste, Daniel Rossen und beim zurückgenommenen „Systole“ erstmals von Bassist Chris Taylor das vorherrschende Element, das vor allem in den unruhigen Fahrwassern wie dem tänzelnden „Three Rings“ die nach links und rechts ausbrechenden Wellenbewegungen einordnet. „Painted Ruins“ ist in sich klarer strukturiert und fassbar, schafft es jedoch auch jederzeit, hart an mögliche genreuntypische Grenzen zu stoßen. Bei „Losing All Sense“ etwa zieht der Grundrhythmus grundsolide durch das Stück, wird von Zeit zu Zeit aber durchaus im Trubel der Gitarre Rossens und der verzögerten Stimme Drostes aus dem Takt gehoben.

Ganz anders wiederum das hymnische „Mourning Sound“ mit seiner unwiderstehlichen Hookline, die sich wahlweise ganz hervorragend zu Autofahrten in den spätsommerlichen Abendhimmel oder schwelgerischen Momenten auf der Couch eignet. Grizzly Bear haben es darüber hinaus nie verlernt, Haken zu schlagen. So pulsiert das synkopierte „Aquarian“, befeuert durch das jazzinfizierte Schlagzeug Chris Bears, zu Anfang fast schon wie eine Titelmelodie für den nächsten halsbrecherischen Agentenstreifen. Immer wieder fällt dabei auf, dass sich die Band ihre Songideen anscheinend in verschiedenen Tempi vorstellen kann, Melodielinien ähneln sich und werden auf Albumlänge in unterschiedlichen Darreichungsformen zitiert.

Anstrengend wird „Painted Ruins“ bei zu großer Lautstärke, vor allem „Cut-Out“ leidet trotz seelenvoller Fleet-Foxes-Harmonien vor allem in der Mitte unter einem kraftvollen Aufbrausen des Zusammenklangs. Dann aber, wenn es psychedelisch blubbert wie bei „Glass Hillside“ und die Rhythmik vertrackt in die staubigen Wege des Laurel Canyon einbiegt, entfaltet „Painted Ruins“ einen gelassenen Zauber, den der flüchtige Chor im Hintergrund nur noch stärker in Szene setzt. Nach wie vor entwickeln Grizzly Bear dabei dichteste Soundgewölbe, vor allem zum Ende hin im beseelt puckernden „Neighbors“ oder beim ruhigen Abschluss „Sky Took Hold“, der wie ein Versprechen von einem weiteren großen Glanzstück klingt.

Schön und stimmungsvoll, in weiten Teilen unglaublich einfallsreich und hinreißend bis in die kleinste Klangkapriole inszeniert, reiht sich „Painted Ruins“ nahtlos in die bislang großartige Diskographie der Band ein. Vielleicht bedarf es beim nächsten Mal ein wenig mehr Mut zur Ruhe, um den zwischenzeitlich auffrischenden Sturm flach zu halten. Im Kleinen, Verstiegenen sind Grizzly Bear nämlich immer noch mit die Größten.

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