Fleet FoxesCrack-Up

Es ist nur konsequent, dass „Crack-Up“, das dritte und lang erwartete Album von Fleet Foxes, so klingt, wie es klingt. „Fleet Foxes“ hatte Songs, die schnell Ohr, Herz und Gefühl ansprachen, „Helplessness Blues“ ging dann allerdings schon weit darüber hinaus. „Crack-Up“ fordert noch einmal ein Vielfaches an Aufmerksamkeit – auch mit dem Risiko versehen, die gefälligen Melodien im Zusammenklang der Kräfte zu verlieren.

Die sechs Jahre, die nach „Helplessness Blues“ vergangen sind, hört man dem Album erst gar nicht an. Das dreiteilige „I Am All That I Need / Arroyo Seco / Thumprint Scar“ schließt stimmungstechnisch und sogar musikalisch an den Vorgänger an, doch schon nach kurzer Zeit wählt die Band um Robin Pecknold ein ums andere Mal Abzweigungen, die das Erscheinungsbild von „Crack-Up“ maßgeblich beeinflussen. Sicher, der verschwenderische und opulente Sound schwang bereits auf den ersten EPs der Band mit, doch was sie zum Beispiel im weit über acht Minuten reichenden „Third Of May / Ōdaigahara“ auffährt, ist harmonischer Überfluss.

Wechselspiele, ein Auf- und Abschwellen von Lautstärke und Intensität, dann wieder minimale musikalische Interferenzen, Arpeggios, die sich onomatopoetisch nach der nächsten Melodieschleife verzehren: Ein beiläufiges Zuhören wird nicht nur dort im Keim erstickt. „Crack Up“ ist darüber hinaus aber auch immer eine gewisse Selbstreferenz. „If You Need To, Keep Time On Me“ dreht sich über plätschernde Akkorde und erzeugt diese heimelige Kuscheldeckenatmosphäre, die durch das hörbare Umgreifen an der Gitarre und die unmittelbare Stimme Pecknolds nur noch verstärkt wird.

Es hat den Anschein, als reichten Fleet Foxes ihre herausragenden Songideen nicht aus. Hierzu schleicht sich dann vor allem die Zwiespältigkeit des Leadsängers in Gedanken an Freude über die gemeinsamen Stunden mit der Band, an persönliche Schicksalsschläge oder an Begebenheiten aus der amerikanischen Geschichte in die sprunghaften Kompositionen hinein. Bezeichnend ist hier allerdings, dass „Crack-Up“ zu keiner Zeit hektisch wird. Selbst vermeintlich abrupte Fokusverschiebungen wie bei „On Another Ocean (January / June)“ suhlen sich im Bewusstsein, dieses ohne Hast zu tun und so wird nicht nur im Titel, sondern eben auch musikalisch zu neuen Ufern beziehungsweise Meeren aufgebrochen.

Schade ist hingegen, dass sich die nach wie vor wunderbaren, schmeichelnden Melodien im Gesamtklang so schwierig wiederfinden lassen. Sicher, das stetig voranziehende „Fool’s Errand“ treibt die Idee eines lebensbejahenden Chorus weitestgehend unbeeindruckt auf die Spitze, doch schon ist dieser Fixpunkt erreicht, leiten unvermittelt leidende Klavierarabesken noch im Song zum elegischen „I Should See Memphis“ über. Den roten Faden nur noch lose in Händen haltend, fällt auf, dass sich zudem die Texte Pecknolds ähnlich komplex verwinden, hier vielleicht gar einen Brückenschlag zum wimmelbildähnlichen Charakter des Debüts vermitteln sollen. „So the mind won’t lie/ and the arm won’t set“ singt Pecknold im schließenden Titelsong und schafft somit noch mal eine Spiegelung dessen, was zuvor in musikalisch nicht immer eindeutigen Bildern entstanden ist. Zitatgespickt, traditionsversehrt und irgendwie zwischen Suchen und Finden getrieben, erreicht „Crack-Up“ zwar den so gerne herbeizitierten Sog, doch schürt der Zusammenklang der Kräfte den Verlust des Melodieflusses.

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