Die Titel von „Unkapitulierbar“ knüpfen nahtlos an die Großtaten von Moritz R® (Moritz Reichelt), Pyrolator (Kurt Dahlke) und Frank Fenstermacher an. Musikalisch verhält sich das Ganze nicht viel anders, sorgen Der Plan doch nach wie vor für verqueren Pop, der sein Heil in aller Herren Genreschubladen findet. Texten konnte das Trio ohnehin seit jeher wie kein Zweites und doch überrascht das neue Werk nach 24 Jahren Abstinenz mit erheblich frischerem Wind, als man je zu träumen wagen würde.

„Lass Die Katze Stehn!“ ist einer der Sommerhits 2017. In knapp zwei Minuten dargeboten und irgendwo zwischen expressiver Gegenwartslyrik und naivem Dadaismus oszillierend, skandiert man schon nach kürzester Zeit den Text mit, wenn es darum geht, den Mäusefänger warum auch immer stehen zu lassen, dafür aber alles andere zu bekommen. Generell ist „Unkapitulierbar“ ein durch und durch sonniges Werk geworden. Der Pop der drei sucht sich Rhythmus und wird mal hier, mal dort fündig. „Man Leidet Herrlich“ orientiert sich an Reggae und Dub, das eröffnende „Wie Der Wind Weht“ und das wundervolle „Flohmarkt Der Gefühle“ reihen sich in den Bossanova-Reigen ein, den JaKönigJa im vergangenen Jahr eröffnet haben und im sonnendurchfluteten „Es Heißt: Die Sonne“ finden sich Spuren aus Indiefolk und Kunstlied.

Hübsche, zuweilen ganz schön vertrackte Sprachspiele, in Space-Orgel- und Bassmodulation verpackt wie bei „Der Herbst“ oder wie im etwas schwerfälligeren „Grundrecht“ sind aber über alle musikalische Finesse hinaus das, was „Unkapitulierbar“ und eben auch Der Plan seit je her ausmacht. Ein kurze Bestandsaufnahme der Internetgewohnheiten chattender Web-Addicts bei „Körperlos In Cyberspace“ wird zum DÖF-Wiedergänger, ehe die romantische Klavierpetitesse „Zu Besuch Bei N. Senada“ die Definitionsfragestunde „Wie schwarz ist ein Rabe?“ einleitet, die wiederum einen leichten Anklang an frühe Foyer-Des-Arts-Werke liefert. Nie komplett albern, immer augenzwinkernd – auch im Gestus kommt „Unkapitulierbar“, wenn wie in „Come Fly With Me“ die Stimmen weicher werden, eben nicht ohne diese gewisse Grundfröhlichkeit aus. Selbst bei eher politisch zu deutenden Stücken wie „Grundrecht“ oder „Was Kostet Der Austritt“ liegt Beschwingtheit in der Luft und lässt sich bis zum abschließenden „Die Hände Des Astronauten“ nicht aus dem Kopf schütteln.

„Das Licht hat die Dunkelheit ausgeknipst/ Gott war wahrscheinlich ein bisschen beschwipst/ doch als er sah, was ihm da passiert/ war er doch einen Augenblick lang amüsiert“, heißt es in „Der Herbst“. Und dann wieder „Mal sieht man die Sterne, mal sieht man sie nicht und wenn Du den Weg suchst, dann frage ein Kind“ in „Es Heißt: Die Sonne“. Textzeilen, die deutlich machen, dass es Der Plan nach wie vor eine Herzensangelegenheit zu sein scheint, die Welt ein wenig fröhlicher zu machen, sich die Kindlichkeit zu bewahren und Sonnenstrahlen bis ins schwerste Gemüt zu schubsen. Ihr bis ins Absurde abdriftendes, herzerwärmendes Comeback ist ein großartiges Rezept dafür. Wenn wir dann dafür alle noch einen lustigen Hut aufsetzen, die Katze stehen lassen und entspannt über den Flohmarkt der Gefühle wandern, wird das ein prima Sommer.

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