Um das Jahr 2012 herum war es, da begeisterten Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly und James McAlister Fans mit einer Konzertreihe, die sich konzeptuell mit unserem Sonnensystem auseinandersetzte. Fünf Jahre später entschieden sich die Musiker dazu, „Planetarium“ auf ein Album zu pressen. Mit Blick auf Stevens‘ künstlerisches Schaffen erscheint das Projekt nur allzu logisch: Die Welt war und ist nun mal nicht genug für das musikalische Chamäleon aus Michigan. Trotz der ihm anhaftenden „Singer-Songwriter“-Assoziation wildert er regelmäßig und erfolgreich in anderen Gefilden, siehe das elektronische Neonfeuerwerk „The Age Of Adz“. Und nach dem zurecht hochgejubelten Stimmungsdrücker „Carrie & Lowell“ stellt sich eh die Frage, ob dieser Mann überhaupt noch etwas falsch machen kann. Sky’s the limit? Hell, no!

Nun wäre es unfair, bei „Planetarium“ ausschließlich über Sufjan Stevens zu sprechen. Denn die anderen Musiker, die an dem Projekt mitgearbeitet haben, sind auch keine Unbekannten: Bryce Dessner ist Gitarrist bei der Indie-Hausmarke The National, Nico Muhly ein junger Komponist klassischer Musik und James McAlister hat als Drummer bei der „Carrie & Lowell“-Tour ausgeholfen. Soundästhetisch betrachtet legen sich die vier Musiker auf einen spacigen und an die unendlichen Weiten des Universums erinnernden Klang fest. Das bedeutet: hallgetränkter Gesang und Gitarren, Ambient-Keyboardflächen, orchestrale Streicher-und Bläserpassagen und hier und da der Einsatz von Vocoder und Autotune. Dazu handelt das Quartett alle bekannten Planeten des Sonnensystems ab. Das hört sich auf dem Papier überwältigend an, und ja: Das ist es auch in der (Hör-)Praxis.

Dabei bietet „Neptune“ einen so leichten Einstieg in das Album. Die zarten Pianoklänge werden von Stevens‘ schüchternem, halligem Gesang begleitet, leichte Streicherklänge begleiten sein Klagen („So oh if you won’t hold me/ I have no objections“). „Jupiter“ vereint dann einfach mal all die Elemente, mit denen dieses Album experimentiert: Stimmeffekte, klassische Instrumente und harte Beats. Der Song ist aber auch ein Highlight und überzeugt mit großartiger Hook und textlicher Finesse. Stevens‘ Lyrics sind einer der ganz starken Punkte Planetariums, da er es versteht, persönliche und mythologische Themen mit den jeweiligen Eigenschaften der Planeten zu verbinden.

„Uranus“ begeistert ebenfalls mit mitreißenden Melodien, zeigt aber auch zum ersten Mal auf, wo „Planetarium“s Achillesferse liegt: Nach grandiosen vier Minuten verliert sich der Song in ambientartige Spielereien und wird auf insgesamt sieben Minuten gestreckt. Der Fokus geht verloren, Simplizität macht einer überbordenden Ideenvielfalt Platz und manche der getroffenen Entscheidungen sind schwer nachzuvollziehen. Die Vocals schmiegen sich im ersten Drittel von „Moon“ zärtlich in die Gehörgänge, brechen dann aber ab und überlassen einem zweiminütigen Glockenspielmotiv den Vortritt. Im-Regen-stehen-gelassen-Werden hat sich selten so real angefühlt.

Sufjan Stevens‘ Gesang tritt öfters in den Hintergrund, „Planetarium“ lässt allen beteiligten Musikern Raum zur Entfaltung. Seien es das Gitarrenspiel Dessners in „Mercury“ oder Muhlys Orchesterpassagen, die über das gesamte Album verteilt auftauchen: „Planetarium“ ist die Summe ihrer Einzelteile. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es hier und da aufgebläht erscheint. Statt eines guten hätte es ein großartiges Album werden können, hätte man der Einfachheit öfter den Zutritt gelassen und sich auf seine Stärken fokussiert.

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