Algiers“ hat alle überrumpelt. Ein funkensprühendes Fanal gegen das Wüten der Welt war geschaffen und sorgte als Bastard von souligem Gospel und berserkerndem Post-Punk für Furore. „The Underside Of Power“ beginnt weniger rumpelig, hat aber den zornigen Blick auf Gesellschaft, Religion und Politik mitnichten verloren.

James Fisher, Ryan Mahan und Lee Tesche haben sich für „The Underside Of Power“ mit dem ehemaligen Bloc-Party-Drummer Matt Tong verstärkt. Ein Umstand, der die noch druckvollere, noch hefitger getriebene Anmutung der Stücke unterstützt und vor allem zu Beginn deutlich zu hören ist. Dazu kommt die zwischen Bellen und Barmen wechselnde Stimme Fishers, die den marodierenden Songstrukturen zuweilen den Rest zu geben schien. Auf dem zweiten Werk immer noch höchst präsent, fährt sie deutlich subtilere Krallen aus, erschallt gar auf dem pianodurchwirkten „Mme Rieux“ mit zärtlichen Banden umfangen, ehe die Zerrissenheit der Bässe und Gitarren den Fluss des zweifelnden Leadsängers unterbinden.

Algiers haben trotz aller Barbarei den Hang zur Melodie, zum Soul nicht verloren. Moderne Urbanität trifft auf die klangvollen und choral veredelten Einflüsse der schwarzen Protestbewegung. Mit größtmöglicher Intensität verbindet die Band im kurzen „Animals“ punkartigen Stakkatogesang, der sich im Trommelwirbel Tongs und den Basstiraden Ryan Mahans verliert. Der Titelsong und das stetig nach vorn treibende „Cry Of The Martyrs“ entpuppen sich als dem Pop nahestehende Zwitterwesen, deren Wucht aber dennoch nicht von der Hand zu weisen ist. Sie stehen damit im Gegensatz zum eher ruhigen und abwartenden „Plague Years“, nach dessen psychedelischer Katharsis das darauf folgende „Hymn For An Average Man“ wie ein wichtiges Atemholen, Nach-Luft-Schnappen erscheint. Streicher zittern an der gebrochenen Stimme Fishers entlang, bis eine Verderben schürende Pianolinie nach Atonalität schreit, Echofetzen im Nirgendwo verschwinden und aus der kurzen Pause ein dräuender instrumentaler Unheilsbringer namens „Bury Me Standing“ erwacht.

Auf „The Underside Of Power“ passiert somit im Grunde nicht viel Anderes als auf dem Vorgänger „Algiers“. Immer noch ist Wut ein zentrales Element, die stärker im Ausdruck, aber eben auch deutlicher kanalisiert zum Ausdruck gebracht zu werden scheint. Besonders großartig gelingt das dem Quartett, dass sich in der Produktion unter anderem von Adrian Utley (Portishead) unterstützen ließ, im abschließenden Hyper-Gospel „The Cycle/The Spiral: Time To Go Down Slowly“. Hier fahren Algiers nahezu ihre ganze Bandbreite komprimiert auf knapp fünfeinhalb Minuten ins Feld und lassen das Stück einem Resümee gleichkommend im dronigen Nebel des Vergessens verhallen.

Mehr als je zuvor scheinen Songs wie „Walk Like A Panther“ mit seinem Eröffnungsgeheul ein Ventil zu schaffen, die die Wut auf eine Welt im Taumel hinaus zu schreien. Fisher ist der Prediger, der mahnt, zetert und wettert und dabei eine ungeheure Lust verspürt, all denen einen Schuss vor den Bug zu verpassen, die sich mal Gedanken über ein Gegensteuern machen sollten. Bis dass passiert, tanzen wir eben zu Stücken wie „Cry Of The Martyrs“ noch ein Stückchen dem Abgrund entgegen.

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