ÌFÉIIII + IIII

Wenn ein Album zum Sammelbecken für Jahrzehnte an Lebens- und Musikerfahrungen wird, geht mit dem inhaltlichen Tiefgang nicht selten ein getragener, wenn nicht gar trockener Duktus einher. Letzteres liegt dem Debüt des in Texas aufgewachsenen Otura Mun und seiner puertoricanischen Band ÌFÉ aber ebenso fern wie Einseitigkeit: Zwischen oft mehrdeutigen Titeln wie „Yumavision“ und auf Yoruba, Spanisch, Englisch und Arabisch verfassten Texten lassen sich Meditationen über Freiheit und Spritualität ebenso finden wie Referenzen an afrokaribisch beeinflusste Songs von Rihanna und Drake. Zugleich ist „IIII + IIII“ hochorigineller, utopischer Pop, der mit Konventionen bricht und herrlich groovereiche Sommerhits offeriert. Seine Wurzeln hat ÌFÉs Stil in der Call-and-Response-Dynamik und den Handtrommeln kubanischer Rumbamusik, nicht jedoch die prozessierten Vocals und elektronisch modifizierten Drums, mit denen sich „House Of Love“ mehr an Dancehall anlehnt oder „Higher Love“ mit spärlichen Bassimpulsen und Blechperkussion als traumhafter Schwebe-Soul abhebt. So nahe in „Bangah (Pico Y Palo)“ auch ein Clap den nächsten jagt, ist das Sounddesign herrlich detailliert zwischen fokussierten Kicks, erhoben-distanzierten Begleitstimmen, minimalistischer Synth-Rotation und dem gesampelten Wetzen eines Säbels aus „Assassin’s Creed“. Das atmosphärisch verdichtete „3 Mujeres (Iború Iboya Ibosheshé)“ stolpert ebensowenig über seine verflochtenen Beatmuster, wie der Düsenjägerstreifen oder die an allen Seiten zuckenden Perkussionen der sanften Romantik von „Yumavision“ abtragend werden. Kein Wunder, gehen doch komplexe Rhythmen in Yoruba-Musik mit Besinnung einher; kein Wunder, bedeutet doch „ÌFÉ“ auf Yoruba nicht weniger als „Liebe“.

Ein Kommentar zu “ÌFÉ – IIII + IIII”

  1. Otti sagt:

    Danke für den geilen Tipp. Das ist mal außergewöhnliche, ganz und gar wunderbare Musik. Über alle Grenzen hinweg.

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