Charly BlissGuppy

Verkappte Beziehungen, geistige Gesundheit, Selbstermächtigung – in ihren thematischen Belangen mögen sich Charly Bliss nicht von vielen anderen jungen Bands unterscheiden. Sehr wohl aber in Eva Hendricks‘ lyrischen Perspektiven, wenn sie in „Westermarck“ die gleichnamige soziologische Theorie referenziert oder mit „Ruby“ einen Dankesbrief an ihre Psychotherapeutin adressiert. Genauere Erklärungen sind dafür aber ebenso sekundär wie bei „Black Hole“, dessen „She’s got her toe in a cornhole/ Bleeding out in a snowcone“ keine nachvollziehbare Bedeutung haben muss, um einen klasse Powerpop-Refrain abzugeben. Auf seinem Debütalbum schleift das Quartett knackige Perlen wie „Glitter“, das quirlig voranpest und nach den Strophen ein kurzes, schwermütiges „I’ll have my cake and eat it too/ I wish I could be good to you“ einwirft, um sich in das skeptisch hinterfragende, zugleich aber mit goldigen „Aah-aah“s begleitete „Am I the best? Or just the first person to say yes?“ zu erheben. Nicht überall funkelt der Sound auf „Guppy“ dermaßen, vor allem die zweite Hälfte hebt die körnigen, effetvoll bassigen Saitenklänge der Band hervor. Damit einhergehend ist das rumorende „DQ“ umso humorvollere Selbstironie, wenn Hendricks von Trunkenheit und feuchtem Trampolinunfall berichtet und ihre sonst nasal-hohe Stimme mit Shouts über „I’ve been celebrating since Thursday/ I always get dumped on my birthday“ drüberwischt. Wie schon das eröffnende „Percolator“ deutlich macht, sehen Charly Bliss Menschen als zu komplex für Schablonen an – und legen die Kraft der Widersprüche in ihr lediglich beim Finale die 3:30-Marke überschreitendes Spiel.

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