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Last Days – Seafaring

Das Meer. Immer wieder das Meer. Graham Richardson alias Last Days vertont auf seinem mittlerweile fünften Album Sinneseindrücke der See, indem er mit seiner ambienten Klanglandschaft eben nicht nur das Heben und Senken der Wellen nachzeichnet. Inspiriert von Schifffahrtsrouten und der Endurance-Expedition unter der Leitung Ernest Shackeltons scheint Richardson die Faszination für das Wasser in all seinen Facetten fühlbar machen zu wollen. „Tiny Flares“ tropft Pianokleckse über lange Streicherbögen bis zu einem in der Ferne verhallenden Feuerwerk, „Strait Of Dover“ richtet den Blick auf die durchsichtigen Spiegelflächen des Kanals. Den Wind sich um die Ohren blasen lassend, zieht man mit „Endurance“ Richtung ewiges Eis; nicht nur dort setzt Richardson zur Unterstützung seiner an Richard Skelton erinnernden Strukturen auf behutsame Field Recordings, die das Nachempfinden dieses Seestücks noch eindringlicher machen. Besonders stark ist „Seafaring“ zudem dann, wenn es wie in „Weddell Sea“ nicht einfach nur flächige Soundgebilde aneinanderreiht oder aufeinandertürmt, sondern ein permanentes Dräuen, eine Art Beat oder Puls erzeugt und das Stück – ähnlich wie bei den ebenso wellenumspülten The Album Leaf – mit stiller Schönheit in die Ewigkeit drängen lässt. Mit all seinen maritimen Momenten ist Last Days ein wundersames, unerwartetes und umso schöneres Kleinod gelungen, dessen stimmlose Seegeschichten nachweislich keine Worte brauchen.