Von einer großen Emo-Retro-Welle zu sprechen, wäre freilich Quatsch. Und doch: In den letzten Monaten und Jahren erschienen wieder vermehrt künstlerisch hochwertige Alben, die man jenem leicht in Verruf geratenen Genre zusprechen kann. Verantwortlich dafür sind einige kleine, aber schwer schuftende Labels wie Triple Crown oder Big Scary Monsters, welches das phänomenal gute dritte Album der US-Amerikaner Sorority Noise veröffentlichte. Ihr Sound ist atmosphärisch, blinzelt dabei immer wieder in Richtung Postrock, ohne sich jedoch zu sehr zu versteifen. Langsam bauen die Jungs aus Connecticut ihre melancholischen Songs auf, im Hintergrund scheppert ein sympathisch trockenes Schlagzeug, während die Gitarre ihre einsamen Melodiekreise zieht. Lyrisch verschreibt sich „You’re Not As ______ As You Think“ durchaus den genreüblichen Innenansichten, wirkt aber nur selten weinerlich oder zu befindlichkeitsfixiert. Die zehn Nummern auf dem Nachfolger zum 2015er „Joy, Departed“ changieren in Stimmung und Tempo, lassen emotionale Hoch- und Tiefdruckgebiete aufziehen und überzeugen durch ihre permanente Dringlichkeit. Gerade die erste Albumhälfte gehört dabei zum stärksten, was das Genre in letzter Zeit zu bieten hatte: Das eröffnende „No Halo“ drückt aufs Tempo und spielt sich schon innerhalb der ersten Minute in Rage. Das folgende „A Portrait Of“ bringt klassische Punkrock-Gitarren ins Spiel, nur um kurz darauf schon fast in Richtung Biffy Clyro zu schielen und das beklemmend-schöne „A Better Sun“ ist die schonungsloseste Offenbarung, die ein Werk wie dieses bereithalten kann. Sämtliche emotionalen Barrikaden werden abgebaut, bis Sorority Noise blank vor einem stehen. Durchatmen!

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