Joep Beving zu hören, ist ein wenig wie ein uraltes Märchenbuch aufzuschlagen. Die Melodien erzählen, jede für sich, eine Geschichte und sind zeitlos im doppelten Wortsinn: weder im Sinne eines Zeitpunkts festzulegen noch klar beginnend oder endend. Ruhig und durchgehend in Moll getränkt fesseln die Akkorde auf „Prehension“ nachhaltig, aus dem elegischen Minimalismus bricht nur „432“ mit einem finalen Aufbrausen aus. Aber so ruhig Beving am Piano auch klingen mag: Der Neoklassiker hat zwei aufregende Jahre hinter sich. Sein Debüt „Solipsism“ veröffentlichte er zunächst in Eigenregie mit kleiner Auflage, erreichte durch Showcases und Spotify-Playlists aber schnell viele Menschen. Nach einem Auftritt zur Primetime in einer niederländischen TV-Sendung landete das Album auf Platz 1 der dortigen Charts und fand so auch seinen Weg zu einer Deutschland-Veröffentlichung. In einer Berliner Bar entdeckte ein Produzent der Deutschen Grammophon die Stücke und so steht Joep Beving jetzt mit einem Vertrag beim wichtigsten Klassiklabel der Welt und seinem neuen Werk „Prehension“ da. Dem Vorgänger steht die Platte in nichts nach: Die flächigen Stücke mit lyrischen Titeln wie „Seelekind“, „Le Souvenir De Temps Gracieux“ oder „A Heartfelt Silence“ gehen tief unter die Haut, öffnen die Synapsen und lassen alles Drumherum klein und unbedeutend erscheinen. Letzteres Stück besteht nur aus einer Handvoll Tönen, die in der Stille verhallen. Wenn das Album nach einer Stunde mit dem bezeichnend betitelten Stück „Every Ending Is A New Beginning“ endet, ist es wie bei den Kollegen Albanese, Kohlstedt, Tiersen oder Frahm: Die Geschichte kann sofort wieder von vorne beginnen.

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