Am Ende ihres vierten Albums haben es At The Drive In fast geschafft, mit dem entschleunigenden „Ghost-Tape No.9“ und der Doppel-Vocal-Dynamik von „Torrentilly Cutshaw“ dort anzuknüpfen, wo sie vor über fünfzehn Jahren aufhörten. Doch den Bindestrich in ihrem Namen hat die Post-Hardcore-Band ebenso verloren wie den inneren Zusammenhalt, mit dem sie auf „Relationship Of Command“ scharfkantige Ausbrüche neben weit durch den Raum gespannte Melodiebögen setzte: „in•ter a•li•a“ ist ein großes Austobe-Comeback, dem es an Fokus und Abwechslung mangelt. Gründungsmitglied Jim Ward verließ die Band kurz vor ihrer Reuniontour 2016 und kehrte auch nicht zu den Albumsessions zurück, mit Neugitarrist Keeley Davis vermag das texanische Quintett zumindest das Grundgerüst seiner schnelleren Songs zu rekonstruieren. Die Fassade lässt jedoch immer irgendwo die nötige Intensität missen, wie in „Tilting At The Univendor“ werden Riffs oft allzu stoisch runtergespult, weder so knallig wie in Ross Robinsons Brickwall-Übersteuerung noch so roh wie in früheren Alben stechen Gitarre oder Vocals hervor. Selbst die Albummitte mit dem zappelnden „Call Broken Arrow“ und „Incurably Innocent“s solidem Groove wird letztlich ziellos mit Refrains, die enttäuschend flach bleiben. „Governed By Contagion“ will zackige mit robotisch steifen Passagen kontrastieren, wirkt dabei jedoch zu konstruiert – immerhin beweist es mit Zeilen wie „Portrait of a family force fed through tunnel straws“ und „Cry! Will you assimilate love in the time of gilded crumbs?“, dass die Band ihr Faible für unverständlich schiefe Bildsprache nicht verloren hat.

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