Man kann den Eindruck bekommen, Pilocka Krach nähme das Albumformat nicht ganz bierernst. Rechtfertigte ihr angeschrägtes Electropop-Debüt „Best Of“ zumindest seinen Titel mit bereits vorher erschienenen Tracks, gibt es die beiden Hälften ihres neuen Doppelalbums sowohl komplett als auch auf ein zehnstückiges Einzelalbum zurechtgeschnitten (CD & LP enthalten Download-Codes und auf Bandcamp gibt es alle Tracks im Digitalpaket). Das Hin- und Herhören zwischen den unterschiedlich sequenzierten Werken offenbart neue Akzente und Facetten, vor allem gewinnt „Sugar Cane“ mit seinen atmosphärischeren Stücken für sich genommen an Tiefe. Andererseits lockert das globetrottige „The Lost Amigos“ mit all den Einflüssen und Vocal-Samples auf, die Krach bei Reisen nach Detroit, Guadalajara und der mexikanischen Karibikküste vor Ort in punkige Disco-Beats kanalisierte, die sich bestens auf einer der legendären DFA-Compilations einreihen würden. „Clarita‘s Song“ lädt unter billig hämmerndem Keyboard und perkussivem Geballer zum Strandgang ein, „Who‘s The Trigger (Dax Digger)“ pfeift und hechelt zum phallischen Wortspiel, „Dogs Are In This House“ blubbert, laserfeuert und HiHat-tickert zu schwunghaft flotten Vocal-Motiven, „One Day Left (I Would Not Dress)“ schwelgt nicht weit entfernt dann wieder in spacigen Weiten. Krachs Tracks besitzen die Displizin zu engem Groove und die Freiheit, zugleich allerlei unerwartete Hooks, Verschrobenes oder Verspieltes aufzuwerfen. Ähnlich ist auch das Schöne an dieser Veröffentlichungsform, dass sie (ohne Playlist-Shuffle-beliebig zu werden) mehr als eine Hörmöglichkeit wählbar macht und „Sugar Cane & The Lost Amigos“ sogar zu einem Dreifachalbum – mindestens.

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