Nach einer frühen Compilation und mehreren EPs auf seinem Label Greco Roman ist „Electric Lines“ bei Weitem nicht die erste Solo-Veröffentlichung von Joe Goddard, aber das erste vollwertige Album, das allein seinen Namen trägt. Dennoch ist nicht nur sein Co-Hot-Chipper Alexis Taylor im Titelstück zu hören, mit Gastvocals in den meisten der Songs steckt Goddard zumindest auf Vocal-Seite hiermit kein gänzlich eigenes Gebiet zu seinen anderen Produktionen ab. Dafür hat „Electric Lines“, wie schon seine Kollaboration mit Raf Rundell als The 2 Bears, viel Funk und House in der Beat-DNA stecken, sei es in der Acid-Disco von „Funk You Up“ oder wie in „Home“ und „Lose Your Love“ über Vintage-Samples. Ohne Soul-Injektionen lassen melodisch dünnere Stücke wie „Nothing Moves“ hingegen den lässig antreibenden House-Swing früherer Singles wie „Gabriel“ missen, eine ähnlich denkwürdige Vocal-Darbietung hat selbst dessen Vokalistin Valentina (im robo-krautigen „Human Heart“) hier nicht. Am distinktivsten wird das Album, wenn Goddard seine Synthesizer in „Truth Is Light“ über 2-Step arpeggiert oder in „Music Is The Answer“ und „Children“ krautig prachtvoll ausbreitet – dort klingt es wie Popmusik von einem Gear-Fan, der seine Hardware nicht fetischisiert, sondern als Teil seiner künstlerischen Identität klanglich auszureizen weiß.

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