CandelillaCamping

Nach der Albini-Aufnahme „Heart Mutter“ spielte das Quartett sein drittes Album wieder in hiesigen Breitengraden ein – aus der deutschen Gitarrenlandschaft steht es aber erneut deutlich hinaus. Im Gegensatz zum noisig-spröden Vorgängerwerk ist „Camping“ zwar flächig, hallend und in der Melodik oft bruchfrei, selten bricht ein Song einmal komplett ab. Stattdessen lehnt „Intimität“ auf einem resoluten Groove, der auch in Reduktionsmomenten stets von Saiten oder Schlagwerk weitergeführt wird, „Transformer“ führt mit Tasten- und Gitarrenfülle sogar auf eingängige Hamburg-Schulung. Der Mittelpunkt des Albums ist jedoch nicht nur in seiner Englischsprachigkeit eine Randerscheinung, drumherum rauscht „Tier“ von metallischem Gitarrenflickern in oppressives Pianohämmern und stakst „Hand“ mit strengen Anschlägen auf eine Eruption synthiger Dissonanz zu. Derartig verkrachte Einwürfe, die nüchterne Rede über „Pool“s ausgespreizten Gitarrentexturen, sie lassen es wirken, als müssten Candelilla keine harmonischen Kompromisse eingehen, sondern die Harmonie als optionales Ausgleichselement nutzen – das muss sicher nicht in Dur liegen, wie der eigentümlich denkwürdige Refrain von „Trocken Und Staubig“ unter dichtem Hi-Hat-Klatschen zeigt. Den Gipfel der Anspannung erreicht schließlich das pressierend ausgerufene „Atmen“ in schiefer Lärmaufwiegelung – kein dumpfer Noiserock, sondern eine Kakophonie in delikaten Schnitten. Sie kommt umso wirksamer in der exzellent abgestimmten Songabfolge von „Camping“ hervor, wo auf „Transformer“ nicht direkt der naheliegende Gegenpol „Atmen“ folgt, sondern noch der andersartig radikale Drift des atmosphärischen „Ruhig Drauen“ dazwischen liegt.

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