Gato PretoTempo

So passend „Tempo“ als Titel für Gato Pretos Debütalbum ist, so täuschend kann ihr gleichnamiger Song sein: Mit gemütlichen 110 BPM steht dessen breit texturierter, funkiger Dembow kaum stellvertretend für die hochfrequente Tanzeslust des portugiesischen Dance-Duos, deutet aber schon an, wie weit über den Globus Gato Misteriosa und Lee Bass für ihre Clubvermengungen greifen. Nicht unähnlich zu Batuk führt „Dia D“ Highlife-Gitarre über beschwingten House-Kick oder legt „Moçambique“ eine schwüle Atmosphäre über cool beklatschte Handtrommel-Polyrhythmik. Noch intensiver drückt die Gast-MC-gefüllte zweite Hälfte aufs Pedal, mitunter entsteht dabei jedoch mehr Clash als Mash. So beißen sich die wechselweise soften und knarzigen digitalen Sprenkel auf „Feitiço“  mit Schlagzeugwirbeln, die klangästhetisch ins Analoge ziehen. Auch sind allzu plakative Sample-Einflechtungen wie die offensichtlichen Polizeisierenen in „Polícia“ oder „Barulho“s Gitarrenschrammeln weniger bestechend als etwas simples wie die melodisch grundierenden Synthpulse unter „Pirão“s Kuduro-Zappeln. Auf hohem Energieniveau legen sich dafür Misteriosa und der angolanische Rapper Diamondog maßgeschneidert in die kühle Frenetik von „Pe Na Roda“ und auf dem fiebrigen „Puxa“ treffen Gato Preto die weise Entscheidung, mehr Gewicht in die gestreckten Vokale des titulären Refrains zu legen als die Rio-karnevalistischen Trillerpfeifen und Sirenen darunter.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum