Ezra Rubin stand dem R‘n‘B schon immer etwas näher als die anderen ProduzentInnen seines Labels. Nicht nur war „Bank Head“, der Eröffnungstrack seiner 2013er EP „Vertical XL“, Kelelas erstes Zukunftsbeat-Feature auf Fade To Mind und gewissermaßen die Blaupause für ihr Mixtape, auch harmonierte er feinfühlig mit Dawn Richard auf ihrer gemeinsamen letztjährigen EP „Infrared“. Da überrascht es nicht, dass der New Yorker sich für sein Debütalbum als Kingdom noch mehr Gewicht aufs Melodische legt – mit gemischten Ergebnissen. Der gemilderte Sound stößt nicht so wie gewohnt vor den Kopf und in die Beine, statt Motorsirren oder mechanischem Hämmern umgarnen üppige Wattenebel und Claps die Vocal-Samples in „Nurtureworld“. Der Mangel an Negativraum fällt besonders in den beiden Stücken mit SZA auf, deren Performance nur mäßig Bindung an die synthig harmonisierten Beats findet und fast genausogut von einer Akustikklampfe begleitet vorstellbar wäre. Umso erfolgreicher ist das radiotaugliche Albumhighlight „Nothin“, das man sich anstatt von Syd hingehaucht auch auf einem Ciara-Album vorstellen könnte – gewiss kein Vorwurf, dürfte Rubin selbst sich schließlich als Fan betrachten, wenn auch nicht so sublim aufregend wie einst sein „Goodies“-Remix. „Breathless“ bringt dafür den Schwung einer komplexen Drum-Verflechtung ein und auch wenn die kürzeren Instumental-Tracks wie einem Mixtape entnommen wirken, lockern sie als kühle Einwürfe manch dünnes Songwriting auf. „Tears In The Club“ taugt so auch ein Stück weit als Gegenbeweis zum jahrzehntealten Märchen, dass notwendigerweise das Organische der elektronischen Musik die Seele verleihe: Rubins Produktionen brillieren schließlich oft gerade dann, wenn sie unter aller oberflächlichen Kälte eine emotionale Tiefe offenbaren, mit oder ohne Stimme.

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