GrailsChalice Hymnal

Obwohl ihre Musik alles andere als kompakt ist, waren Grails in der Vergangenheit eine Band, deren EPs man fast sehnlicher erwartete als reguläre Alben. Die „Black Tar Prophecies“-Reihe hatte um einiges mehr Biss und verlor sich nicht unnötig in Längen. Möglich, dass die Gruppe aus Portland auch zur Feinjustierung fast sechs Jahre für einen neuen Anlauf verstreichen ließ. Daneben war Mastermind Emil Amos natürlich auch mit anderen Projekten wie Holy Sons oder Lilacs & Champagne sowie seinem Podcast „Drifter’s Sympathy“ mehr als genug ausgelastet. Ganz bescheiden als Geschichten über das Erwachsenwerden in einer amerikanischen Kleinstadt beschrieben, bietet diese unbedingt hörenswerte Reihe erstaunlich viel Tiefe und Liebe zum Detail.

Viel zu tun also. So viel sogar, dass gar nicht mal unbedingt noch mit einem neuen Grails-Album zu rechnen war. Trotz langer Pause hat sich am Grundgerüst erst einmal wenig geändert, wie sofort der eröffnende Titeltrack zeigt. Doch „Chalice Hymnal“s typisch mediativ aufgelockerten Psychedelic-Klänge dienen hier nur als Intro für eine wesentlich dichtere erste Albumhälfte. Wie pechschwarze Tinte ergießen sich die Gitarrenriffs schwermütig auf die vormals sanften Strukturen und entfesseln mehr als nur einmal jene Stoner-Rock-Momente, die bisher eigentlich OM, seit 2008 mit Amos an Bord, vorbehalten waren. Wer sich vor allem beim grimmigen „New Prague“ wiederum an den OM-Vorläufer Sleep erinnert fühlt, ist hier alles andere als auf dem Holzweg. Gemeinsam mit „Pelham“ und „Deeper Politics“ bildet der Song ein Triumvirat, dessen Intensität schwer zu übertreffen ist und im zweiten Teil von „Chalice Hymnal“ nicht mehr entfacht wird.

Hier regieren nämlich wieder die altbekannten Klänge, die schon der Albumbeginn angedeutet hatte. Zweifellos geben sich Grails auch dabei keine Blöße, doch erscheint vieles über die längere Distanz als zu ausladend oder in seinem geradezu cineastischen Anspruch etwas kitschig. Besonders „Rebecca“ ist dafür ein gutes Beispiel: Süßlicher Gospel trifft hier auf umherirrende Beats, findet aber keinen Abschluss und lässt einigermaßen ratlos zurück. Gleichzeitig gibt es glücklicherweise immer noch mehr Songs, in denen Grails rechtzeitig vor dem Fall in die Beliebigkeit abbbrechen und nach verlässlicher Grails-Manier die Zügel im letzten Drittel anziehen. „Deep Snow II“ oder „The Moth & The Flame“ beispielsweise zeichnen ein mehr als versöhnliches Abschlussbild.

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