90er-Jahre-Musik von Menschen, die die 90er-Jahre kaum miterlebt haben, für Menschen, die von den 90er-Jahren gar nichts mitbekommen haben: Cloud Nothings spielen sich mit ihrem fünften Album „Life Without Sound“ frei von jeder Wut, hinein in einen nostalgischen Rausch aus Lo-Fi-, Slacker- und College-Rock. Wie kein Werk der Band zuvor verbindet die neue Platte dabei betont melodische Momente mit krachigen Ausbrüchen, die zwar nie für kaputte Knochen sorgen, aber schorfige Knie und reichlich blaue Flecken hinterlassen.

Die Jungs aus Cleveland, Ohio machen es sich also zwischen den Stühlen bequem, auf himmelstürmende Hymnen folgen kratzige Teenage-Angst-Nummern, die mit reichlich Dreck unter den Fingernägeln daherkommen. Kohärenz ist für „Life Without Sound“ ein Fremdwort, die neun Stücke wirken einander unverwandt, woraus sich jedoch eine Spannung ergibt, die durchaus fesseln kann: Die Band um Frontmann Dylan Baldi fasst in diesen 38 Minuten ihre eigene Karriere zusammen, die einst mit entfesseltem Powerpop begann, bis allmählich immer mehr Post-Hardcore- und Grunge-Tendenzen Einzug hielten.

Am besten sind Cloud Nothings jedoch zweifelsohne, wenn sie sich nicht zu sehr auf ihre jugendliche Wut fokussieren. „Strange Year“ und „Realize My Fate“ bilden als zorniges Duo den eher schwachen Abschluss einer bis dato spielfreudigen Platte. Insbesondere das an Weezer erinnernde „Internal World“ und die College-Rock-Nummer „Modern Act“ stechen dabei positiv heraus: Hier verbinden die US-Amerikaner Melodie und Verzweiflung und finden ihre eigene Balance. Ebenjene hätte man ihnen für die gesamte Platte gewünscht.

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