Josh McKenzie möchte nicht über seine psychischen Probleme reden. Der Frontmann von Apologies, I Have None hat jedoch kein Problem damit, auf „Pharmacie“ darüber zu singen. Mit ihrem zweiten Album lotet die Punkband aus London die gleichen Abgründe aus, durch die schon die EP „Black Everything“ vor zwei Jahren taumelte – und weil Alkohol, Schlaftabletten und Psychopharmaka die Schmerzen zwar lindern, das Problem jedoch nicht lösen, sucht McKenzie auf „Pharmacie“ nach einem dauerhaften Heilmittel.

Als wir zuletzt von Josh McKenzie und seiner Band Apologies, I Have None hörten, klang das ziemlich besorgniserregend. Vor zwei Jahren verabschiedete sich der Sänger am Ende der wahrlich tiefschwarzen EP „Black Everything“ vom Hörer und einer Verflossenen mit den Worten: „I’m sorry/ When I said I didn’t love you/ what I meant was I hate myself.“ Auf ihrem Debütalbum „London“ erhielten Apologies, I Have None noch die Illusion aufrecht, dass womöglich die verhasste Heimatstadt am Schlamassel im Leben der vier Londoner schuld sei – nach dem Weggang von Co-Frontmann Dan Bond suchte McKenzie auf „Black Everything“ die Schuld nur noch bei sich selbst und ertrank beinahe in Selbstzweifel und –hass.

Auch wenn der Titel „Pharmacie“ vermuten oder hoffen lässt, dass McKenzie ein Heilmittel gegen seine psychischen Probleme gefunden hat, sind die zehn Songs im Gegenteil noch düsterer und hoffnungsloser als die letzte EP. Das erkennt man schon daran, dass mit „The Clarity Of Morning“ der emotionale Tiefpunkt der EP, aus dem die erwähnten Zeilen stammen, mit anderem Arrangement hier erneut erklingt und sich problemlos in die trostlose Atmosphäre des Albums einfügt. Dennoch ist der Titel „Pharmacie“ ein Hinweis darauf, dass Apologies, I Have None auf ihrem zweiten Album tatsächlich nach Heilung suchen und mit „Love & Medication“ zwei mögliche Stimmungsaufheller gefunden haben. Wobei schon der erste Song im Refrain infrage stellt, ob zwischenmenschliche Nähe oder Psychopharmaka wirklich als Rettung taugen: „Is it ever enough/ ever enough/ love and medication?“

Inhaltlich wandelt „Pharmacie“ also auf dem gleichen Pfad wie „Black Everything“, musikalisch wagt die Band jedoch durchaus einige Neuerungen. In der ersten Hälfte des eröffnenden „Love & Medication“ kommt das Trio dem Stadionrock gefährlich nahe, biegt aber noch rechtzeitig Richtung Punkrock ab. Mit dem leise fließenden „Crooked Teeth“ kommt das Album zumindest musikalisch für drei Minuten zur Ruhe und im achtminütigen „Killers“ versuchen sich Apologies, I Have None an einem postrockigen Spannungsbogen. Allerdings bleibt die Band auch auf „Pharmacie“ am besten, wenn sie sich auf ihre Kernkompetenz konzentriert, nämlich emotionale Punkrocksongs zu schreiben, die gerne mal urplötzlich aus hymnischen Höhenflügen in verzweifelte Tiefen abstürzen.

Zwar versichert McKenzie in „Everybody Wants To Talk About Mental Health“, dass er nicht über seine psychischen Probleme sprechen möchte, dennoch ist es gerade solch ein Gespräch, das auf „Pharmacie“ für den ersten Funken Hoffnung sorgt. Der Text zu „It’s Never The Words You Say“ besteht aus einem Dialog zwischen zwei Menschen, die sich gegenseitig von ihren Sorgen und Ängsten erzählen, ihre seelischen Narben vergleichen und so Nähe und Geborgenheit finden: „Sometimes you just want to know you’re not alone.“ Und auch im abschließenden „A Pharmacy In Paris“, das die Frage nach den beiden Heilmitteln wieder aufgreift, phantasiert sich McKenzie in ein konservatives Mutter-Vater-Kind-Szenario, das Stabilität und Geborgenheit verspricht:

„Maybe a kid could sort us out
We could take everything we love about each other and put it into someone else
Take all that extra energy that we would use to fight and pour it into the foundations of the building of a life
I can see it now, almost close to perfect
It could be you, her and I living by a pharmacy in Paris
All we have to do is try and make each other laugh
And let love and medication see us through the harder parts
Is it ever enough?“

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