Empfehlung: Hullu koira, das Flow Festival in Helsinki (12.-14.8. 2016)

Hei! Minä olen Markus. Minä olen saksasta. „Wenn du einen Trip nach Finnland planst wäre es nicht schlecht etwas Finnisch sprechen zu können“, mahnt die Sprachwebsite, „Natürlich werden dort viele Menschen auch Englisch sprechen aber es ist doch ein Zeichen der Achtung wenn man die Leute in ihrer Muttersprache anspricht. Auch wenn nicht alles hundertprozentig richtig ist, wird schon allein der Versuch dir viele Sympathien entgegenbringen.“

Vielleicht ist es ein irrwitziges Unterfangen, bei dem Sisyphos schallend und irre lacht – so viele aiäs und uous und ytälääs, vielleicht ist 2016 aber auch einfach Anlass genug. Eine Woche Finnland, sieben Tage Mückenplagen an obskuren Seen ohne Namen und fünf Tage Helsinki. Helsinki, die Stadt, die eigentlich nur wegen öden Kalauern bekannt ist und in der in den nächsten Jahren das nördlichste Guggenheim-Museum der Welt entstehen wird: „Was heißt Sonnenuntergang auf Finnisch?“ – „Helsinki“. Hahaha. Gelacht. Und dann auf der Karte  nachgeschaut – eigentlich geht in Helsinki die Sonne im Sommer nie unter. Naja, fast nie. 03:55 Uhr, nach fünf Stunden Abstinenz schaut Frau Sonne in diesen Tagen wieder hervor und erinnert an schlaflose Nächte, die endlosen Tagen gleichen. Erinnert an Sommer, die uferlos schienen und in denen alles möglich war. Ikuisesti.

Der Ereignislosigkeit der finnischen Sommer zwischen Wald, See, Mückensee, Waldsee und Mückenmücke wird jedoch jedes Jahr im August ein Kontrastpunkt entgegengesetzt: Das Flow Festival in Helsinki, perfekt geeignet für Menschen, die gerne auf Schlammcatchen und Blitzstürme verzichten. Trotz seiner Größe ist das „finnische Melt“ ein Festival der Genügsamkeit – nur wenige Kilometer trennen Helsinki-Downtown und die coolen Viertel wie Kallio von dem Gelände. Sollen die Kids doch neben den Generatoren zelten und die ganze Zeit (und seit 20 Jahren) nach Helga suchen – in Finnland hat man währenddessen drei vergorene Fische verspeist, neun gedünstete Eier im Fladenbrot und hat gut in den nah gelegenen Hostels genächtigt. Denn nur so kann man die Distinktionsgewinne im Line-Up richtig schätzen. Die Bestseller-Headliner kosten inzwischen unverschämte Summen, die selbst dem sowieso knittrigen Dagobert Duck die Kinnlade runtergeklappt hätten, also begnügen sich die Festivalorgas mit den Bands aus der meist zweiten Garde und füllten Slot für Slot mit dem Mainstream unbekannteren Projekten, die in ein paar Jahren dann wieder für teures Geld auf den größeren Bühnen wiederzufinden sein dürften. Naja, fast. Ein paar Pop-Rentner wie Iggy Pop, Morrissey oder Massive Attack dürfen erneut Festivalroutinenluft schnuppern, wohingegen Jamie xx, Four Tet, Savages, Last Shadow Puppets, FKA twigs, M83, CHVRCHΞS, Holly Herndon, William Basinski, The Kills, Hercules & Love Affair, ANOHNI, Daughter, New Order, Anderson .Paak, Kamasi Washington, Thundercat, Arca, John Talabot, Lil B., Laura Mvula, Sleaford Mods und Sia sich noch über Jahrzehnte beweisen müssen. Wobei wir hier nun wirklich keinerlei Zweifel hegen, denn diese Acts haben in den letzten Jahren unlängst bewiesen, dass sie weit mehr sind als „one-hit-wonder“.

Auf der “The Other Sound”-Bühne treten parallel Helena Hauff, AUFTOUREN-Favorit Ian William Craig und Voices From The Lake auf; Resident Advisor schickt den sympathischen  House von Roman Flügel ins Rennen. Und dann wären da auch noch die finnischen Lokalmatadore mit den vielen „ääs“ und „ainens“ sowie Neukommer-Helden wie GoldLink, die für Abwechslung sorgen, wenn die Altgedienten sich eine Schwächephase gönnen sollten – und selbst das kann mit dem wohl besten Festival-Food der gesamten Hemisphäre kuriert werden. 2016 überzeugt das Flow Festival einmal mehr mit einem stimmigen Line-Up. Tickets kosten 92 bis 175 Euro (3-Tage-Pass), der Flug ab NRW um die 130 Euro.  Gepaart mit ein paar zusätzlichen Tagen am Mückenmücken-See und finnischem Selbstgebrautem sicherlich eine wunderbare Idee für den Sommer. Hullu koira, wird das gut.

Line-Up 

Ein Kommentar zu “Empfehlung: Hullu koira, das Flow Festival in Helsinki (12.-14.8. 2016)”

  1. Benedict Weskott sagt:

    No reason not to go, würde ich sagen! Suomilove ♥

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