ModeratIII

Im internen Austausch bezeichnete ein werter Kollege, der seines Zeichens mit Durchblick für die verschiedenen Felder elektronischer Musik gesegnet ist, Moderats Electro als „für Leute, die sonst keine elektronische Musik hören.“ Ein hartes Verdikt vielleicht, aber sicherlich birgt auch diese Aussage einen wahren Kern. Man könnte allerdings ebenso sagen, Moderat öffneten Tore und Türen und machten selbst Genremuffeln jene Musik schmackhaft, weil sie ein Gefühl transportierten, das vielen anderen Veröffentlichungen abginge. „III“ ist eigentlich ein recht harmloses, wenngleich sehr gelungenes Album, an dem sich die Geister scheiden. „Spiegel Online“-Kolumnist Jens Balzer ließ auch kein gutes Haar an der Platte. Im Grunde wollen Moderat nur Radiohead sein. Ist das eigentlich so schlimm?

Ist es nicht, denn es funktioniert: Moderat entwickeln ihren offenen Sound weiter, viel Rabimmelrabammel, aber eben extrem zielführend. Es herrscht eine angenehme Melancholie, wie sie schon immer mitschwang, ein Sehnsuchtsmoment, der unter der Haut kribbelt und im Inneren brodelt. Thematisch entführen Moderat in die Natur, in den Wald – ob echt oder lediglich imaginiert, darf man selbst entscheiden. „Eating Hooks“ ist als Beispiel hierfür heranzuziehen: Das Eröffnungsstück benötigt ein langes, semi-unheilvolles Intro, schält sich dann aber aus seinem Schneckenhaus und entwickelt in viereinhalb Minuten den vielzitierten Sog, den man so oder so ähnlich auch von Thom Yorke und Co. kennt.

„Running“ stolpert dann durch Beat-Gehacktes und auch das folgende „Finder“, das ohne Sascha Rings sehnende Stimme auskommt, erhöht den Anteil an Vertracktheit, auch wenn das Abstraktionsniveau stets überschaubar bleibt. Manche mögen dies als Stärke, andere als elementare Schwäche ansehen. Doch diese Balance zu halten, also jene zwischen Eingängigkeit und Anspruch, ist auch eine Kunst für sich. Auch das sechsminütige „Ghostmother“ zelebriert den Spagat, mit minimalistischen Beats und maximalistischen Vocals, die sich in den tiefschwarzen Nachthimmel schrauben.

Die erste Single „Reminder“ folgt einem ähnlichen Rezept wie der größte Bandhit „Bad Kingdom“: Dramatische Beats bilden die Grundlage, perkussives Klopfen erhöht die Dringlichkeit bis zum Refrain, der stolz über dem instrumentalen Korsett thront. Supersupersuper, wie der scheidende Bayern-Trainer Guardiola wohl sagen würde, ist auch „The Fool“, das wohlig in den Eingeweiden knarzt, wie Balzer wohl mahnen würde, was hier aber selbstverständlich als Kompliment zu verstehen ist. Gegen Ende von „III“ wird es etwas vehementer: „Animal Trails“ verirrt sich im Dickicht aus Wurzeln und Bässen, „Ethereal“ setzt auf ungeahnte Sanftheit – ein Song, der so auch problemlos auf Radioheads „The King Of Limbs“ gepasst hätte, was lobend gemeint ist, aber sicherlich auch als Kritik gewertet werden kann. So man denn möchte.

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