Streng genommen wirkt „Life Of Pause“, das dritte Album von Wild Nothing, eher wie ein trickreiches Mixtape: Jack Tatum, Mädchen für alles und logischerweise Chef der Ein-Mann-Band aus Virginia, spielt offen mit seinen mannigfaltigen Einflüssen. Man vernimmt den verwaschenen Traumsound von Deerhunter, die süffisante Opulenz von Destroyer und jede Menge Pop, der „Life Of Pause“ zum wohl glanzvollsten Eintrag in der noch gar nicht so langen Wild-Nothing-Diskografie macht. Vorbei sind die Zeiten des feingliedrigen Chillwave, Wild Nothing setzen nun also auf Ausformulierung und Grandezza, auf Eingängigkeit und Formvollendung. Das eröffnende „Reichpop“ ist großzügig instrumentiert und von sonnigem Gemüt, an allen Ecken und Enden passiert etwas. Chöre, Leadvocals, modulierte Xylophon-Sounds und schlanke Gitarren kreisen hier umeinander und bilden ein herrlich unübersichtliches Durcheinander. Klarere Konturen weist das folgende „Lady Blue“ auf, das sich soundtechnisch den trendigen 80ern verpflichtet fühlt, letztlich aber wirklich mehr ist als reine Hommage. Ähnlich gelagert agiert Tatum bei „Japanese Alice“, dessen Harmonien an The Pains Of Being Pure At Heart erinnern, wie Kollegin Depner an anderer Stelle vollkommen richtig feststellte. „Alien“ nimmt dann Platz auf einer Yacht im Mittelmeer und bräunt sich den Herzschmerz von der Haut, während „Whenever I“ an die lässigen Schlüpferstürmer von Dan Bejar denken lässt. Ganz groß gerät zum Abschluss „Love Underneath My Thumb“, ein entspannter Dreampop-Song, der nochmals final den Kopf verdreht. Der Blick geht um, verwirrt: Hier passt vielleicht nicht alles zusammen, aber jeder Song ist ein feines Fragment in diesem herrlich uneindeutigen Gebilde.

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